Überstiche Nachlese III-11
„Ihr seid's fast zehn Prozent hinter uns“
hörte ich nur so en passant neben mir. Gleich darauf riss mir ein äusserst aggressiv zustechender Zeigefinger beinahe die Ergebnisliste aus der Hand. „Da, da, siehst Du, fast zehn Prozent.“ Langsam kam dann auch der zum Finger gehörige Anhang in Sichtweite. Kein Zweifel, bei dem Triumphator handelte es sich um Fakhreddin Beheshti, aufgeregt wie das Rumpelstilzchen, nur gesprungen ist er halt nicht. Was soll man da sagen, verärgern darf man ihn nicht, denn er ist ein so unersetzlich grossartiger Geldeintreiber und so flink dabei. Ich schwieg also und erkannte sein Genie widerspruchslos an.
Allerdings versorgte uns vor dem Spiel TGK mit Brat- bzw. Bernerwürsteln, Sauerkraut und frischem Resch- und Frisch-Gebäck. Dazu gab es natürlich zünftigen Senf sowie (auch Hot) Ketchup. Scharfe Sachen für monsieur, so etwas kann das iranische Temperament schon einmal aufheizen. Greterl Luibrand, zwar aus familiären Gründen gestern abwesend, brachte es aber nicht über's Herz, uns ohne ihre köstlichen Nachspeisen unserem Schicksal zu überlassen. Sie brachte noch schnell zwischendurch ein Blech ihres unnachahmlichen Zwetschken-Apfelstrudels in den Club, der wieder einmal so gut war, dass er bereits zum mit nach Hause nehmen vergeben gewesen wäre, hätten die Spieler nicht energisch darauf bestanden, als Nachspeise wenigstens ein Stück zum Kaffee zu erhaschen. Käse und Weintrauben nahmen ein eher schleichendes 'Ende.
Bis sich unsere Schäfchen wieder aus Urlauben und Kuraufenthalten eingefunden haben, müssen wir gelegentlich in der Tischauslastung einige Abstriche machen, wodurch die Turniere für uns aber auch gemütlicher werden. Der Pausentisch hat jede Menge anderer Spiele zur Verfügung, Räumlichkeiten, um sich nicht gegenseitig zu stören, haben wir genug und die Verpflegung ist auch bei unter diesem Umstand erhöhtem Andrang mehr als gesichert in einer gemütlichen Wohnzimmer- Atmosphäre.
Gemütlich, aber nicht immer ganz einig, haben dann Thomas Ketzl und Harald Schachner, mit 61,90 %, das Turnier gewonnen. „Geh, na“, meinte TGK, „wia is denn des zuaganga?“ Die beiden haben sichtlich einen gemeinsamen Draht und dahingehende Charaktereigenschaften, daher die eiserne Ruhe, auch wenn nicht alles klappt (damit wird der Gegner nicht aufgebaut). „I wü weder nach Thailand oder Haweii“, sagte Harald anlässlich einer Unterhaltung anderer Spieler, „i fliagat net amal, wenn mir wer 1000 Euro schenkert, dass i fliag. Südtirol oder Norditalien, immer schön im Auto erreichbar. Gott sei Dank is mei Frau a so.“ So ist auch Tom und so bin ich. We are from Austria und Kinder der Berge!
Unantastbar, mit 57,14 %, auf den zweiten Platz spielten sich Fa Beheshti und Renate Ostheimer. Gelegentlich protestierte Fa lizitmässig ein wenig, blieb aber in dieser Hinsicht gegen Renate voll auf der Strecke, denn, da sie gestern telefonisch völlig untätig geblieben war, konnte sie alle Kräfte auf Spiel und „Abwehr“ konzentrieren. Leider durfte er auch die männermordende Aussicht unter ihrem ersten Blusenknopf den ganzen Abend nicht einmal erspähen („Siacht ma do eh net eini?“), diesen Vorzug genoss nur der links von Renate sitzende Gegner. „Wann's recht ist, wart i auf die Berner Würstl, des hast, auf ans, wast eh, dass i net mehr vertrag“, bestärkte uns, wie immer, in der Meinung: Es ist leichter, diese Frau zu ernähren, als ihre Handy-Rechnungen zu bezahlen.
Maria Grubhofer und ich spielten unterschiedlich, mussten aber einige, nicht von uns verschuldete böse Partien schlucken. Maria, bewundernswert in ihrer Konstitution, hielt sich blendend und verdrängte tapfer ihre postoperativen Beschwerden. Am kommenden Samstag wird es allerdings für sie noch stärker werden, da feiern wir rücksichtslos ihren Geburtstag.
Lisl Eiselsberg und Marena Schattenberg,( Lisls Fix-Partner, Fritz Schmid, weilt einige Wochen zur Kur) verstanden sich recht gut, es gab nur einige Missverständnisse in puncto Konventionen. Ich glaube, dass die beiden, bei einiger Übung, auch recht gut zusammen passen könnten.
Heidi Haiden und Rudi Harasek, ebenfalls eine Zufallspaarung, dürften gelegentliche Lizitprobleme gehabt haben, sie erreichten einige Male die Manche nicht. Da die zwei aber einen äusserst friedlichen Eindruck geboten haben, dürfte sie dies nicht wirklich gekränkt haben. Heidi, die in der letzten Runde pausierte, schoss sogar recht fröhlich in die Küche. Nachdem sie vorher zu mir gesagt hatte „Na, so was böses, wos du olles schreibst, olles merkst da“, konnte ich die konzentriert werkende Heidi nicht einfach so davon kommen lassen. „Heidi“, rief ich ihr zu, „sag' wos.“ Heidi verwundert: „Was soll i denn sag'n?“ TGK: „Wos, wos d' Inge morg'n schreib'n kann!“ Jetzt richtete sich Heidi zur vollen Länge auf: „Ich stehe hier in der Küche!“ und hinten nach heimlicher: „Mi pflanzts ihr net.“ Eine ungeheuerliche Verdächtigung, denn, zur Erklärung muss gesagt werden, dass die liebe Heidi freiwillig TGK in seiner Küche immer wieder zur Hand geht, sozusagen eine Mäzenin ist und damit eine Respektsperson, bei der ich mir nie erlauben würde, sie zu pflanzen. Dies sei hier nun einmal ganz kategorisch festgehalten.
Wie ohnedies bereits angekündigt, möchte ich noch einmal auf den Geburtstag unserer Ehrenpräsidentin, Maria Grubhofer, am Samstag, dem 1, Oktober, hinweisen und alle bitten, an ihrem samstäglichen Ehrenturnier teilzunehmen. Maria ist, jedenfalls in Oberösterreich, wahrscheinlich aber ganz Österreich, die älteste (und eine der langjährigsten) Spielerin und hat sich um den Bridgesport auch gesellschaftlich bis zum heutigen Tage grosse Verdienste erworben. Viele Menschen dieser Sorte wird es wohl kaum mehr geben.
© IAM, 29.09.2011
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Wie viel Glück braucht der Könner?
Braucht er überhaupt welches? Schon das Ansinnen bedeutet für Heidi Haiden eine Zumutung. Natürlich hat sie heute mit Renate Rathmair auf Grund hochkarätigen Spieles das Turnier gewonnen, daran würde ich niemals zweifeln, aber so ganz glücklos können sie doch auch nicht agiert haben. Renate hatte mir nämlich nach dem Verlesen des Ergebnisses erzählt, sie habe seit einiger Zeit nur negative Percentagen gehabt, es wäre zum Verzweifeln gewesen und darum sei sie vom heutigen Erfolg ganz überrascht. So etwas kann dem besten Spieler passieren und auch von längerer Dauer sein und so sagte ich im Brustton der Überzeugung: „Ja, ja, ma muas ja dann a wieda amal a Glück hab'n.“ Na, bitte. Dies hörte die nebenstehend, küchentätige Heidi. „Na, mit Glück hat des absolut wirklich nix z' tuan, des is reines Können.“ Jetzt weiß ich erst wieder, wie hart ich an mir noch zu arbeiten habe.
Hart gearbeitet haben wir aber bereits vor dem Turnier am fröhlichen Speisetisch. TGKs schmackhafte Grammel- bzw. Specknödel fanden ein undramatisches, aber vorzeitiges Ende, dabei waren es sechzig Stück samt Sauerkraut. Greterls Mohnstrudel bekam dann durchgehend Anhänger und Käse mit Weintrauben und Datteln lösten sich während des Spieles unaufhaltsam auf.
Wir waren aber gut in der Zeit, denn wie sich am Schluss zeigte, hatten wir um 17,30 Uhr bereits die dreissig Boards hinter uns.
Wie bereits erwähnt siegten auf rein (bridge)wissenschaftlicher Basis Heidi Haiden und Renate Rathmair mit 57,14 % und schon ihre Kleidung zeigte aggressiven Kampfgeist, sie kamen beide in Rot.
Auf dem zweiten Platz, mit 55,71 %, fanden sich Fakhreddin Beheshti und Helmut Koch ein. Gelegentlich benörgelten sie sich im Lizit, ob Farbkontrakt oder Ohne besser zu spielen gewesen wären. Helmut: „Dir fallt ja nix anders ei, wia de Ohne.“ Fakur: „Durch die Pik haben wir jetzt zehn weniger.“ Helmut: „Mehr hätt'n ma, wannst anders lizitiererst.“ Fakur: „Ja, bei Ohne, um zehn.“ Eine unergiebige Debatte, die für Helmut womöglich am Abend noch weiter gehen könnte, wenn ihm seine Inge alle Schuhe präsentieren wird, die sie heute Nachmittag, natürlich völlig überraschend, beim Besuch der Firma Högl aufgedrängt bekommen hat. Jedenfalls sollte er sich von der Vorstellung befreien, sie käme auch „ohne“.
Tapfer erkämpft hat sich auch Maria Grubhofer, mit 53,57 %, den dritte Platz. Meine Partnerin Maria ist nach fünf Wochen zum ersten Mal aus dem Krankenbett aufgestanden und hat unseren monatlichen Spieltag hinter sich gebracht, eine wirklich bewundernswerte Leistung.
Knapp dahinter, mit 53,04 %, kamen Fredi Fenzl und Thomas Ketzl an die vierte Stelle. Einig waren sie sich kaum, aber Fredi wurde eigentlich durch das Bridgeturnier nur von seinem wahren Bedürfnis abgehalten, nämlich, endlich in die Post am Bahnhof zu kommen, dem er nach dem Hinlegen der letzten Karte sofort nachkam.
Zwar absolut einig in Sachen gelebter FKK, aber nicht immer in voller Übereinstimmung einzelner Bridge-Finessen, agierten Renate Ostheimer und Erika Kasbauer friedlich, aber zeitweise glücklos. Renate: „Manchmal bist ma a wengerl z' gach.“ Kein Wunder, Erika trug am schwarzen Pullover vier ineinander verschlungene Metallringe. was Helmut Koch gleich beim Ankommen so kommentierte: „Heit' geht's als Audi.“ Kein Wunder also, wenn die Dame für Renate ein bisserl zu schnell ist.
Wieder einmal, nach Wochen, spielten heute zusammen als Partner Lisl Eiselsberg und Fritz Schmid. Fritz, kaum dem Krankenhaus entkommen, hatte überraschender Weise sofort eine dreiwöchige Kur an seinem Wunschziel, Kärnten, zugeteilt bekommen.
Er bedauerte zwar, wiederum drei Wochen nicht spielen zu können, war aber schon äusserst aufgeregt wegen der morgigen Abreise. Jetzt heißt es für uns, seine Partnerin Lisl bei Laune zu halten. Gäbe es nur lauter so angenehm bei Laune zu haltende Spieler wie Lisl, welch' guter Laune könnte man sich da erfreuen. Wider eine sehr häufig verbreitete Auffassung ist nämlich gute Laune bedingt durch launig, nicht durch launisch.
© IAM, 25.09.2011
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„Der letzte w-w-warme Taog
in dem Joahr" sollte, nach dem Köpfchen von Renate Ostheimer, unbedingt unser gestriges Turnier auf die Terrasse, neben dem Pool, bringen. Die überwiegende Mehrheit, bestehend aus Renate und Ezzat Arige, setzte sich durch, der Rest folgte dann schweigend bis protestierend. Don Alfredo hatte mühevolle Säuberungsarbeit hinter sich (Laub etc.), aber den Transport der nötigen Utensilien hatten Renate und Ezzat zu übernehmen. Fazit: Alle, die wir erwartet hatten, es würde zum Spielen zu heiss werden, froren wegen des Windes vor uns hin, nur für Renate, die bei fünfundzwanzig Grad mit dicker Weste herumsitzt, war es plötzlich warm genug. Leicht kapriziös, die Dame, möchte man meinen.
Essen durften wir aber doch noch witterungsunabhängig im Spiellokal und es war ausnehmend gut. Eierschwammerl-Gulasch mit Semmelknödeln und Rucola-Salat, made bei TGK, Apfelkompott und die bewährte Ketzl-Marillen-Roulade (Markenzeichen: Seitenriss). Käse und Weintrauben nahmen wir mit nach oben. Da also auch hier die Versorgung klappte, konnten wir mit dem Turnier ziemlich pünktlich beginnen. Durch die Urlaubs- und Krankenausfälle spielten wir auf nur zweieinhalb Tischen und hatten eine Pause von einigen Boards.
Ezzat und ich begannen mit dem Pausieren und spielten inzwischen einige Partien Backgammon. Würde er nicht so gut spielen, würde er gegen mich sogar schon allein über sein Würfelglück gewinnen. Aber, niemand würfelt auch so schlecht wie ich und dass ich trotzdem immer wieder mit ihm spiele, zeigt doch, glaube ich, meinen absolut fairen Sportgeist. Daran mangelt es Ezzat ziemlich grob, er höhnt mich vom Anfang bis zum Ende.
Ex aequo, mit 54,76 %, gewannen dann Lisi Lampl/Heidi Stöger und Ezzat und ich, das Spiel. Lisi und Heidi, fix verankert im Raum vor der Terrasse, unterhielten sich (vernehmlich) prächtig. „Herz solltast jetzt net z'ruckspün“, meinte Heidi. Lisi: „Was wa den besser g'wesn?“ Heidi: „I glaub Karo.“ Lisi: „Rot is Rot.“ Aber schon die nächste Partie war für uns weniger lustig. Lisi passte mit einigem Material ein Gebot von Heidi weg und erzeugte damit einen Top. „Sehr guat passt“, sagte Heidi, „dabei is des für d' Lisi eh gar net leicht.“ Lisi: „Siagst, i verbesser mi von Minutn zu Minutn.“
Ezzat spielte gleich in der ersten Runde drei Mal einen Slam. Einer war unerfüllbar, obwohl er wie ein Löwe kämpfte. „Ohne“ hätten wir spielen sollen, waren aber in Herz. Die beiden anderen führte er zu Tops. Auf eine Revanche für seine neckischen Praktiken, die Hochkarten seiner Hand erst zum Schluss auf den Tisch zu legen, habe ich verzichtet, da er durch meine Brachial-Lizite bereits so erschüttert war, dass ich ihm nicht auch noch die Kraft für die Spieldurchführung nehmen wollte.
Den dritten Platz belegten, mit 52,38 %, Renate Ostheimer und Fredi Fenzl. Die „wohltemparierte“ Renate, bereits ermattet durch die Schlepperei des Spielbedarfes, und der grundsätzlich schläfrige Alfred verloren sich in der Pause. Wie sich später herausstellte, hatte Alfred nicht, wie vermutet, die Couch aufgesucht, sondern war in die Trafik gefahren. Renate durfte an unserem Tisch inzwischen kiebitzen und es gelang ihr tatsächlich, vor Ablauf der einzelnen Spiele keine Bemerkung zu machen. „Jessas, da habt's jetzt an Top, des hab' i net aug'sagt“, war ihr einziger Kommentar und sie hat auch nie telefoniert.
Mit genau 50 % erreichten Lisl Eiselsberg und Thomas Ketzl den vierten Platz. Obwohl uneingespielt, wäre hier viel mehr möglich gewesen, aber, es gab einige Lizitschwierigkeiten. Lisl dürfte einige Male ein wenig zögerlich gewesen sein. Vermutlich waren ihr die ziemlich aufeinander folgenden Slams ein wenig unheimlich.
Renate Rathmair und Marena Schattenberg dürften diese Hürden ebenfalls nicht richtig genommen haben, aber gegen uns fand dies leider nicht statt. Ihr Gegenspiel ließ nichts zu wünschen übrig und dies stimmte die beiden geradezu heiter. „Ja, was sagst denn Du heit olles?“ grinste Marena, als Renate (wiederum mit Bio-Spenden aus dem Garten eingetroffen) wieder einige ihrer „lötzen“ Sprüche vom Stapel ließ. „Mei“, meinte Renate, „sie (ich) muaß ja morg'n a wieder was zum Schreim hom.“
Na, und ob, ich bitte um Wortspenden. Kommt doch auch unvergleichlich billiger als der Klingelbeutel.
© IAM, 18.09.2011
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„Des les'n mir morg'n im Internet“
prophezeite Renate Ostheimer leicht zwiespältig. Keine Bange, nicht nur spielerische Erfolge finden bei uns die nötige Anerkennung, auch technische Talente werden gebührend bewundert. So stellt Renate gewissermaßen unser Future-Kind auf diesem Gebiet dar, wenn auch unter dem Oberbegriff der Eloquenz, die ihrer kraftvolle Stimme nicht einmal bedürfte. In selbstloser, Segen spendender Weise begleitet sie Anfänger und leicht fortgeschrittene Partner durch die verworrene Welt des Lizits und des Gegenspieles. Leider musste ich die Frage ihrer Partnerin, wieso sie so schlecht abgeschnitten hätten, dahingehend beantworten, dass es zwar sehr hilfreich für den Anfänger sei, die Partie zu analysieren, aber auch für den in Hörweite sitzenden nächsten Tisch, der gleich darauf dieses Board spielen würde.
Um der Wahrheit die Ehre zu geben, ist dies aber die ständige Modalität vieler, selbst ernannter Spitzenspieler, die aus allerdings unlöblichen Gründen glauben, sich derartiges erlauben zu müssen. Zurück zu Renate. Um ihre unermüdliche Hilfsbereitschaft, gepaart mit einer beharrenden Forderung danach, am Samstag auf der Terrasse zu spielen, etwas zu bremsen, fasste es Thomas Ketzl liebevoll, aber aussagekräftig mit „Renate, stell die Waschmaschin ab" zusammen. „Weisst Du Renate, wie wichtig so a Waschmaschin is, i muas mir g'rad a neie kauf'n“, sagte ich zur ihr. Renate: „Rech'n net damit, dass i kumm, i was eh, was i wert bin.“ „Da hätt' sie ja sonst keine Zeit mehr zu telefonieren“, meinte Ezzat, denn das ist ihr zweites technisches Talent, die vollständige, übergreifende Beherrschung ihres Handys. Kein Wunder, sie übt ja auch fleissig damit, zum Beispiel zwischen ihren Lehranweisungen. Die Betreuung ihres wunderschönen Gartens (samt Haus) liegt dafür in den Händen des Personals und so wird sie also nicht eines Tages vollkommen geschwächt zusammenbrechen und uns, Gott sei Dank, erhalten bleiben.
Viel trägt Renate allerdings nicht zu ihrer Stärkung bei, genau genommen isst sie wie ein Spatz. Dabei hat uns TGK gestern wiederum sehr verwöhnt. Eine ausgezeichnete Kürbiscreme-Suppe war gefolgt von Schweinskarree mit Butterkartoffeln und knusprigem grünem Salat. Obwohl einige Mitglieder durch eine Bridgereise ausgefallen sind und unsere liebe Maria Grubhofer im Spital liegt, also nur zweieinhalb Tische zusammen kamen, löste sich das für wenigstens drei Tische angetragene Menue in kürzester Zeit im Nichts auf (es ist immer gut, wenn man sich nicht mit Essensresten herumschlagen muss).
„I wia immer besser im Backen“, schwärmte Greterl Luibrand und biss in das Randstück ihres Zwetschkenkuchens, das sie mit mir geteilt hatte (Randln essen wir prinzipiell wegen der Optik immer selbst) und, sie hat Recht. Aber diese Perfektion würde sie nie und nimmer erreicht haben, wenn sie nicht Mittwoch für Mittwoch, für den Club, mit wechselndem Obst, trainieren würde.
Ohne Obst, aber mit Wolfgang Roth legte Greterl anschließend eine weitere perfekte Leistung hin. Sie erspielte 77,08 % und damit den ersten Platz. Wie aus dem Lehrbuch unterspielte sie jeden Kontrakt, fand die idealen Angriffe und Rückspiele. Jetzt dürfte die Zeit für Wolfgang hart werden. Zum Eingewöhnen hatte er gestern schon einmal das „dreckige“ Reindl in das Auto zu befördern, Greterl natürlich das saubere. Bitter, aber, muss nicht jeder von uns irgend einmal begreifen, wo er steht?
Mit genau 50 % kamen Ezzat Arige und ich auf den zweiten Platz. Sechs Nuller, perfekt von Greterl und Wolfgang gegen gespielt, kosteten uns die Prozente der vorherigen Top-Runde. Allerdings zeitigen zwei Ergebnissen pro Board eher das Glückspiel, denn jeder Spielfehler eines Paares trifft mindestens ein anderes, unbeteiligtes Paar. Das ist lästig, aber, ein aufmerksamer, williger Mensch lernt auch aus jeder unvorhergesehenen Situation, zum Beispiel aus der Pause. Wenn diese nämlich länger dauert (bei wenigen Tischen) pflegen wir gerne Backgammon oder Würfelpoker zu spielen. Dass ich ersteres grottenschlecht spiele, hat gestern meinen Bildungsstand unerwartet bereichert. Offensichtlich existiert eine Länder übergreifende Backgammon-Bruderschaft, mit Sitz in Istanbul, die es ausgezeichneten Spielern nur gestattet, auf ihrem Niveau zu spielen. Wenn ich also gestern gegen Ezzat drei Mal gespielt hätte, dreimal hoffnungslos verloren und Ezzat hätte bei jedem Fehler, den ich gemacht hätte, gesagt, lies das Buch, das ich geschrieben habe, dies steht auf Seite 27, etc. und es gäbe diese Bruderschaft nicht, hätten sich für Ezzat vielleicht einige Lorbeeren ergeben. Aber so besteht absolut keine Veranlassung Ezzat in Gefahr zu bringen, alles nur Fiktion.
Thomas Ketzl und Harald Schachner hatten keinen guten Tag. Harald zieht im Gegenspiel seine Hochkarten nicht ab und wechselt auf einen für den Gegner günstige Farbe. „Wann der Gegner fünf Pik hat, kannst Deine Kart'n ruhig abziagn.“ Harald: „I hab heit an schlechten Tag, entschuldige.“ Thomas: „Aber, ja, heit geht's ja um nix, ka Vereinsmeisterschaft, ka Team oder so.“ Harald: „Gott sei Dank. Hast a Feua für mi?“ Ezzat: „Aber Ansprüche stellen.“
Rosi Kohlberger und Marena Schattenberg seufzten auf, als wir zu ihrem Tisch kamen: „Gott sei Dank, jetzt kommen normale.“
Rosi: „Die Verteilungen und lauter Wahnsinnige“, Marena: „Lauter Wahnsinnige.“ Ich: „Ja, und uns fallt des alles am Kopf.“ Rosi: „Des is eh nu g'müatlich!“
Ingrid Feichtlbauer und Renate Ostheimer haben ihre schlechte Percentage meiner Meinung nach nicht verdient. Sie haben einen schwer lizitierbaren Groß Slam angesagt, Ingrid hat tadellos die Hand gespielt und wurde nicht nur von ihrer Partnerin Renate, sondern auch von Thomas sehr gelobt. Allerdings, ist es, wie schon gesagt, nicht opportun, gespielte Partien in entsprechender Lautstärke zu analysieren (besonders bei so wenigen Tischen) und zweitens ist man von den Fehlern der anderen extrem abhängig, durch die sich, wegen der alleinigen Möglichkeit zwischen Top und Null, die am besten gespielte Partie sinnlos in die schlechteste verwandeln kann.
Es werden zwar alle Karten aufgezeigt, aber es bleibt trotzdem in äusserst hohem Maße ein Glücksspiel. Ich würde dabei Haus und Hof verlieren und meine einzige, goldene Zahnfüllung.
© IAM, 15.09.2011
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„Wieso seid's ihr auf a maoi Weihnachtsmänner?“
fragte ich unsere Wüstensöhne, Fakhreddin Beheshti und Ezzat Arige, als sie an den Tisch kamen, da ich glaubte, derartiges von ihnen selbst gehört zu haben. „Weil wir heute Geschenke verteilen“, klärte mich Ezzat auf. Sind das nicht wunderbare Aussichten, gegen zwei morgenländische „Geldsäcke“ zu spielen, die Geschenke verteilen würden? Nur offensichtlich war die Schatulle bereits geleert, denn uns bereicherten sie lediglich mit drei nebbichen, kleinen Witzchen. Möglicher Weise ist es ja so die Art der Weihnachtsmänner, bei uns in Damaskus.
Aber wenigstens gut gegessen haben wir. Der sieben Kilo-Kürbis, den uns Inge Koch spendiert hatte, war im Kochtopf gelandet, und von „TGK“ zu einem g'schmackigen Kürbisgulasch mit aufgeschnittenen Frankfurter Würstchen verarbeitet worden und dazu gab es Butterkartofferl mit Petersilie. Der Topf war blitzschnell leer, nur Don Alfredo verweigerte sich. „Kürbis maog i net“, meinte er, aber drücken wir es einmal vornehm aus: "Was der Steuerberater nicht kennt, ........".
Zur Nachspeise gab es Zwetschkenkompott (Rohmaterial von Renate Rathmaier) und TGKsMarmorgugelhupf mit ordnungsgemäßem Ketzl-Riss an der Oberfläche, leicht verdeckt durch Zucker und Schlagobers. Aber innen sah er so schön aus, dass Riki Komar mutmaßte, er sei gekauft, ein typischer Fall von Innen hui.
Da ich, arbeitsmäßig abgelenkt, die Käseplatte samt Obst nicht rechtzeitig fertig stellen konnte, kam es zu heftigen Urgenzen, aber man hat mir verziehen.
Verziehen hat mir dann auch meine Partnerin, Riki Komar, dass ich sie einmal partout nicht den von ihr erwünschten Pik-Kontrakt spielen ließ, dafür habe ich ihr später ein Sprunggebot in Drei Pik abgepasst. Heroisch nahm sie mein chicane zur Kenntnis und erspielte einen Top. Aber nicht ohne zu leiden. Riki leidet ausdrucksvoll in jeder Sequenz, mit schwachem Blatt ebenso, wie mit einem starken. Hätte Lehar sie gekannt, hieße es in Paganini: „Niemand leidet so wie ich.“ Aber, als Partner gewöhnt man sich daran, und den Gegner verunsichert es. Erfreulicherweise hatten wir mit unseren Mätzchen Erfolg und gewannen, mit 59,58 %, das Turnier.
Trotz nicht unerheblicher Lizit-Differenzen folgten Erika Kasbauer und Thomas Ketzl, mit 57,92 %, auf dem zweiten Platz. Interessanter Weise bringt es diese (oftmalige) Partnerschaft immer wieder zu Wege, unter beispielhafter Uneinigkeit sehr gute Ergebnisse zu erzielen.
An dritter Stelle kamen mit 56,17 % die angeblich mutierten Wüstensöhne, Ezzat Arige und Fakhreddin Beheshti, also dürften sie auch in der Percentage keine grösseren Geschenke gemacht haben, uns jedenfalls nicht.
Fredi Fenzl und Lisl Eiselsberg litten heute unter der eigenen, absoluten Geringschätzigkeit für die Gegner. Kein Lizit konnte sie aufhalten und dies endete gelegentlich in einem Kontra oder unnötigem Faller. Zwei Hasardeure friedlich vereint, aber die Blätter standen nicht gut dafür.
Ingrid Feichtlbauer und Renate Ostheimer saßen auch nicht unbedingt auf der konstruktiven Linie. Renates Wohlbefinden war ohnedies von Anfang an empfindlich gestört, denn sie wollte im Freien spielen, wofür wir ja auch ausgerüstet wären. Eine dahin gehende Abstimmung entschied gegen sie und Ingrid streute noch Salz in die offene Wunde. „Warum sitzt den Du heit da, wann's drauss'n nu warm is?“ Renate revanchierte sich hinterhältig und bombardierte Ingrid von Partie zu Partie mit technischen Anweisungen für die jeweilige Situation. So kann auch der manierliche Mensch eine gepflegte Auseinandersetzung führen.
Nicht sehr glückreich agierten Marena Schattenberg und Heidi Stöger. Allerdings verfuhren die Wüstensöhne in der letzten Runde noch sehr lieblos mit ihnen und sackten durch Störung des Gegnerlizits ihre Tops ein. „Das hat Euch zum Schluss noch ordentlich gekostet“, sagte Ezzat beim Weggehen. „Hauts ab“, meinte Marena nur und Heidi („I wart net, zahlt se eh net aus“) packte grinsend ihre Tasche und entschwand. Dabei hatten sie Mittwoch vor einer Woche mit über 60 % den Sieg eingeheimst. Einziger (ärgerlicher) Trost: „Keine Freude mundet ewig, ohne das Gewürz der Abwechslung" (Syrus).“
© IAM, 11.09.2011
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„Mit vierazwanzg sag'n ma ‚Drei Ohne‘ an“
erinnerte Wolfgang Roth Greterl Luibrand, als sie nach seinem Zwei Karo-Start mit vier Punkten die „Zwei Ohne“ weg passte. „I mach eh an Stich mehr.“ Na, ja, nur immer ruhig Blut mit den jungen Pferden. Greterl: „Nau, i was net, spü's a mal.“„"Na, sags an, zwarazwanz'g und vier san sechsazwanz'g, und was brauch ma für die Manche?“ Was so hoffnungslos begann, endete Dank Greterls absolutem Durchblick nicht im Desaster. Wolfgang erfüllte genau den Vertrag, was jetzt, mal abgesehen von der Greterl ein schlechtes Gewissen machen sollenden, leicht übertriebenen Behauptung, er hätte zweiundzwanzig Punkte (es waren zwanzig) auch noch am seidenen Faden hing und Übermütige sind gnadenlos gefallen. Fazit: Greterl fragen, schafft immer Wohlbehagen. Habe ich das schon gesagt?
Aber, gestern war für Wolfgang vermutlich ohnehin der Tag der Zweifel, denn er fragte „TGK“ auch, ob das, dem Selchroller beigegebene Erdäpfelpüree von Hand gemacht sei. Ja, das war es, samt geröstetem Zwiebel und es war auch sofort vergriffen, nur, die reinigungsmäßigen Folgen hatte unsere „heimische“ Küche zu tragen, wie meist bei den Vorarbeiten. Da wir nach den angemeldeten drei Tischen noch nicht ahnen konnten, dass es tatsächlich fünf würden, blieb für die Nachschlagholer zum Teil nur noch der Weg zum Weißbrot-Korb für die Beilage. Grünen Salat gab es in rauhen Mengen. Greterls köstlicher Apfel-Topfen-Strudel, den wir, der Nachfrage gemäß, in etwas kleinere Stücke portioniert hatten, ging sich gerade für alle aus, ab dann musste man sich mit Schokokugeln den Abend versüßen. Solches Zeug geht aber ohnehin bei uns nie aus. Auch der Käseplatte und dem Obst wurde ausgiebig zugesprochen und eine ganz besonders köstliche Sorte von Gorganzola verbreitete einen unüberriechbaren „Gestank“, der sich, ob seines regen Zulaufs, im Laufe des Abends zart, aber übergreifend, an den Tischen verbreitete. Leider war er kein Sortimentartikel und wird vermutlich ein einmaliger Genuss bleiben.
Eine kleine Weintraube verzehrend sagte Wolfgang dann zu mir: „Ma, san die siass.“ Da ich vorher die kleinen Trauben durch große ersetzt hatte, da sie mir ausgesprochen sauer erschienen waren, begann ich jetzt zur Abwechslung ein Mal an ihm zu zweifeln, kostete aber dann doch eine der noch vereinzelt auf der Platte liegenden kleinen, und sie war piksüß. Wia macht des der Roth?
Vielleicht lag das alles aber auch am persönlichen Wohlbefinden nach den reichlich genossenen Gläschen Sekt, die wir auf Marena Schattenberg anlässlich ihres Geburtstages geleert haben. Die Strophe „Kinder soll sie kriegen“ haben wir dann ausgelassen, denn derartigen Segen lehnte sie ganz dezitiert ab. Na, klar. Sie hat ja auch fünfzig Stufen bis zu ihrer Wohnung zu erklimmen, da stört ein Kinderwagen ganz ungemein, möglicherweise irre ich mich aber auch in der Beweisführung.
Wie der Roth des macht, haben wir uns ja schon gefragt, aber, wia machen denn des die Josefine Jacoubi und der Gustav Stieglitz? Steyrer Freunde auf dem ersten Platz sind nicht unbedingt eine Novität, aber, sich mit über fünf Prozent Abstand, nämlich 63,73, auf den Sieg zu setzen, dazu war schon einiges nötig, wie zum Beispiel das Gewinnen eines unmachbaren Sechs Ohne-Kontraktes, um nur ein Beispiel zu nennen. Als das Paar einmal an unserem Tisch warten musste, da noch gespielt wurde, sagte Josefine: „Is scho recht, es rennt eh.“ Jetzt weiß ich, wie das zu verstehen war, es ging nicht um das Tempo, sondern um die Ergebnisse.
Am zweiten Platz, mit 58,39 %, lag das Geburtstagskind Marena Schattenberg mit mir. Die Handspiele pflegten in erster Linie in ihrer Hand zu liegen, die sie tapfer erfüllte. „Wast“, sagte sie, „bei mir genügt a Glasl Sekt, dass i betrunken bin, aber i hab mi so was von konzentriert.“ Ist ihr auch absolut gelungen, nur ein Sechs Pik-Kontrakt, in den ich sie gejagt hatte, war um einen Stich nicht zu erfüllen. Leider hatte diesen Sechser niemand angepeilt, obwohl er nur an einem unseligen Karo-Dreier, der auf der falschen Spielseite gelegen war, gescheitert ist. Mea culpa. Höchst erwähnenswert ist aber der augenblickliche Verfall der armen Marena, als sie auf Erika Kasbauers Lizit von Eine Karo ein Kontra legte, Riki Komar passte und ich ebenfalls ein Pass legte. Schlimmer hätten sich Unmengen von Gläsern Sekt nicht auf Marenas Gesichtsausdruck auswirken können, der reine Schrecken und Vorwurf in Person. Sie hatte nämlich 18 Punkte in einem schön verteilten Blatt. Mit erstickter Stimme sagte sie: „Na, so a Lizit gibt's net, des is verboten.“„"I was eh“, sagte ich, „Du bist stark.“„"Nix wast von mir, gar nix.“„"Marena, warts ab.“„"Absolut verboten, so was gibts net.“ Der langen Rede kurzer Sinn, ich hatte fünf Punkte, nämlich den fünften Pik-König, Karo-Dame zu fünft, Herz neun und double Treff klein. Erikas vorzeitige Freude über das Karo-Ass auf dem Tisch mündete schließlich in „einmal nicht, im Kontra.“ Ein Top für uns, denn auf jedem anderen Tisch war von unserer Seite her lizitiert worden und keine Partie konnte erfüllt werden. Sehr lobenswert war auch, dass Marena auf Erikas Lizit nicht Eine Ohne sondern Kontra gesagt hatte, denn dies hätte, wie bei allen anderen, in einen unmachbaren Ohne oder Pik-Kontrakt geführt.
Mit 54,80 % schoben sich Heidi Haiden und Thomas Ketzl an den dritten Platz. Thomas, Kettenraucher im Nichtraucherraum, erwuchs beispielhaft zur Kultfigur des Entsagens. Leiden, ohne zu klagen. Ein wenig Klagen und Anklagen entstanden nur gelegentlich aus leichten Missverständnissen. Thomas erwartet halt immer von seinem Partner das absolute Erfassen seiner Strategie. „Sag ma's, bitte, wann i was falsch mach“, sagte Heidi, aber was soll man bei Missverständnissen schon groß sagen, nachher sieht es ohnehin jeder. Daher war das Spielklima auch gut und der Erfolg sprach für sich.
Absolut heiter erreichten Erika Kasbauer und Riki Komar, ex aequo mit Renate Rathmair und Fredi Fenzl, den vierten Platz und erspielten 53,24 %. Erika war leider das Opfer unserer Attacke auf ihren Karo-Kontrakt, was ihnen vielleicht sogar einen Platz in der Wertung streitig gemacht hat. Aber da Erika und ich schon vor dem Turnier Marena mit mehreren Schlückchen kräftig hochleben ließen, hätte es ganz anderer Dinge bedurft, um die gute Stimmung zu trüben und meiner Lieblingspartnerin jedes zweiten Samstags im Monat, dem Kichererbslein Riki (gestern wieder ganz elegant in Hellgrün), geht der Humor so wie so nie aus.
Renate („Jetzt muas i mi z'sammreiss'n“) kam schon etwas gebückter Haltung in den Club, denn sie trug einen Sack, „der war gar schwer“. Er polterte zwar nicht hinter ihr her, aber er riss sofort meinen Arm nach unten, als sie ihn mir überreichte. Zwetschken, Birnen und Äpfel stehen uns jetzt für Nachspeisen und Kompott zur Verfügung, und da sie selbst vom Einkochen schon mehr als genug hat, sind wir ihr sehr dankbar und stellen uns gegebenenfalls für derartige Geschenke gerne wieder zur Verfügung. Don Alfredo, von der Mühen des vergangenen Vormittags bereits schwer gezeichnet, meinte, als er das Spiel mit Renate anging: „Jetzt muas i mi z'sammreiss'n.“ Solch' vollendete Harmonie dürfte sogar den meisten Ehepaaren höchstens beim Ringwechsel beschieden sein.
Gerda Neuhauser und Harald Schachner, wie immer cool und verlässlich, kamen mit 52,57 % auf den sechsten Platz. Nur einmal, als wir auf Grund eines Missverständnisses seinen Platz nicht räumen wollten, meinte Harald: „Da sitzen mir, und ihr sad's dahi.“ Also, war'n mir halt dann dahi. Gerda, die mit Lore Winglmüller und mir in früheren Zeiten spektakuläre Auftritte im lautstarken Absingen von Küchenliedern hatte (u. a. auch an der Bar des Spielkasinos in Velden), kam über einem Gläschen Sekt mit mir auf die guten alten Zeiten unserer Bridge-Vergangenheit zu sprechen und wir lebten beide förmlich auf. Obwohl wir alle mehr oder minder starke, aber immerhin äusserst ehrgeizige Spieler waren, gab es daneben noch noch so viel Humor im Bridge-Zirkus und es tut wirklich weh, zu sehen, wie kalt sich die Atmosphäre inzwischen entwickelt hat. Immer beteiligt an der Unterhaltung waren damals auch die in der Bridge-Hierachie weit oben stehenden Spieler, wie beispielsweise Maria Erhard, die keinerlei Hochmut kannte und sich mit uns kleinen „Blutlieferanten“ in den spielfreien Stunden köstlich unterhielt.
Platz sieben erreichten Greterl Luibrand und Wolfgang Roth, gefolgt von Lisi Lampl und Heidi Stöger. Lisi: „I hätt' ja heit scho nach Gmunden fahr'n soll'n, aber an Termin mit der Heidi lass' i einfach net aus. A weng aus der Übung bin i halt.“ Na, so arg war's nicht, aber dafür schaut sie halt blendend aus, man merkt dass sie jetzt am Traunsee lebt (meistens). „Heit hab i no net viel tan, i bin nur herumg'legn", sagte sie. Angesichts ihrer Bräune und des ausgeruhten Aussehens konnte ich mir die Frage dann doch nicht verkneifen: „Ist des net Dei Allgemeinzustand?“„"Da hast zwar recht“, sagte sie, „aber es is trotzdem a Frechheit.“ Da ist Heidi schon wesentlich toleranter. Als ich ich merkte, dass eine Verteilung zu Gunsten Heidis stand und ich die Partie nicht erfüllen würde, sagte ich zu ihr: „Bist Du unguat?“ „Nein“, meinte sie, „Du fallst eh von allan.“
Ganz knapp dahinter lagen Ingrid Feichtlbauer und Renate Ostheimer. Die Verteilungen waren gestern für einen Anfänger eher teuflisch, denn einem starken Blatt, mit einer kompakten Farbe, saß meistens eine (beinahe) Nullhand gegenüber. Beharren auf dem Lizit oder nicht, dass war die Frage, für Ingrid meist ein reines Glücksspiel. Die Hand hat sie gegen uns sehr gut gespielt, aber ein wenig wurde sie auch das Opfer ihrer gutmütigen, opferbereiten, aber sehr gründlichen Lehrmeisterin, Renate Ostheimer. Ab einer gewissen Informationsfülle ist ein Anfänger überfordert. Trotzdem finde ich in dieser Konstellation die Percentage nicht schlecht.
Rudi Harasek und Fritz Schmid sind nach wie vor am Üben neuer Konventionen und das war gestern unter den geschilderten Bedingungen beinahe Hasard. Es werden sich aber wieder bessere Möglichkeiten bieten, man muss nur zäh an der Materie bleiben. Auch zu den Philharmonikern kommt man nur durch üben, üben, üben.
© IAM, 08.09.2011
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Wenige Köche verderben (auch) den Brei!
Trübe schienen die kulinarischen Aussichten für nächste Woche, die Urlaubswelle ist ausgebrochen. Helmut und Inge (Koch) reisen nach Kroatien, TGK und ich streben ebenfalls diese Destination an, Maria „Grubi“ Grubhofer zieht sich erster Klasse zu einem Gesundheits-Check zurück und alle sonst in Frage kommenden treuen Kochlöffel-Schwinger verschwinden wie Sand im Wüstenboden, die allgemeine Sorge um das leibliche Wohl war gross. Da tauchte wie Phönix aus der Asche Renate Ostheimer auf und kündigte für nächsten Mittwoch Spaghetti Carbonara aus der eigenen Küche an. Weil sie schon dabei war, vergatterte sie für Samstag kurzerhand unseren Mentor, Don Alfredo, dazu, einen Würstltopf zu erstellen. „Des wirst ja do no z'samm bringa“, meinte sie resch und Fredi versicherte, von so viel Tatkraft beeindruckt, dass dies sicherlich kein Problem sei und ausserdem habe er solches im Club ja ohnehin schon erfolgreich praktiziert.
Daraufhin habe ich plötzlich eine ganz andere Einsicht zu Renates Aussage gewonnen, ihr Gatte würde sehr gut kochen. Der Mann hat einfach keine Chance, der steht unter Erfolgsdruck.
Natürlich wird es auch Greterl Luibrands hervorragenden Apfelstrudel geben und Käse, Obst und sonstige Leckereien stehen ebenfalls zur Verfügung. Bloß mentale Nahrung wird es jetzt eine Woche lang nicht geben und niemand braucht nächste Woche zu befürchten, dass ihm das Wort "im Munde umgedreht" würde.
In Bestform war aber dann TGK, der saftige Schweins- und Sesamschnitzerl (Vegetarier) mit Petersilienkartoffeln, Preiselbeeren und Paradeiser-Salat auf den Tisch brachte und dazu einen Eierschwammerlauflauf (gepflückt von einem Freund) vom feinsten. Bei seinem hervorragenden Schokoladen-Gugelhupf erwartete er, dass er mindestens die Hälfte davon für nächsten Mittwoch einfrieren könnte. Aber, in Kürze war alles verschwunden, im Verein mit Käse und Obst. Man bekommt ein richtig heimeliges Gefühl, wenn alle so fröhlich schmausend an der langen Tafel in Mitten des Spielsaales sitzen. Auch Roland Berndl, der heute so überhaupt keinen „Bock“ auf seine Küche hatte, kam zu uns und machte es sich gemütlich. Wir genießen es wirklich sehr, auch nicht spielende Gäste (Roland hatte keinen Partner) zu haben, es hebt einfach die gute Laune.
Beinahe pünktlich begannen wir das Turnier. Wie sich bereits sehr bald abzeichnete, erspielten Helmut und Inge Koch, mit 59,44 %. den ersten Platz. War ja sehr erfreulich, die beiden nach einem ihrer Zwischenurlaube wieder einmal zu sehen, Inges Kräuter aus dem eigenen Garten zu bekommen und Helmuts erfrischende Kommentare genießen zu können. Wie weit er allerdings in der Käferkunde bewandert ist, wäre zu klären. Auf Grund meiner petrolfarbenen Gewandung meinte er nämlich, ich sähe aus wie ein Scarabäuskäfer. Dass dieser eine Dungkugel vor sich her schiebt, muss er wirklich nicht wissen, sollte ich aber doch zu der Ansicht gelangen, dies wäre ihm bekannt gewesen, wird er in meiner Gegenwart so schnell keine „ruhige Kugel“ mehr schieben.
Renate Rathmair und Heidi Haiden, mit 55,36 %, knüpften an ihre unterbrochene Erfolgswelle wieder an und kamen auf den zweiten Platz. Die beiden spielten an einem Tisch im Nichtraucherraum und teilten sich mit uns fünf Boards, pro Runde. Als Fredi gegen uns spielte wurde er von „Grubi“ im Offizierston mehrere Male aufgefordert, die noch zu spielenden Boards weg, bzw. herzubringen. „Ich bin doch kein Reiseelefant“ meinte Fredi. „Nein“, sagte plötzlich Heidi hinter ihm, „Der Elefant bin immer nur ich.“ Wer auf so leisen Sohlen heranschleichen kann, könnte möglicherweise eher ein Kätzchen sein. Ein vielleicht etwas handfesteres, so in Richtung Löwe. Renate hatte ihren stillen Tag, sie kam, sah und verschwand, natürlich erst nach der Verlesung des Ergebnisses.
Auf Platz drei, mir 53,89 %, kamen Erika Kasbauer und Renate Ostheimer. „Net red'n, spün und konzentrier'n“, ahndete Erika heute jeden Unterhaltungsversuch Renates. „Aber“, fing Renate wieder an. „Net red'n.“ Renate: „Na, dann red'st halt Du und i spü derweil.“
Mit genau 50 % pendelten „Grubi“ und ich uns in Ruhe auf den vierte Platz ein. Unser Gegenspiel war allerdings beispielhaft, exakt so, wie man es nicht machen sollte.
Den fünften Platz, mit 49 %, nahmen Lisl Eiselsberg und Fritz Schmid ein. Sie spielen sich jetzt bereits konsequent in die Masterpointliste ein, und wenn sie der Passkarte auch noch etwas mehr abgewinnen könnten, dürfte die fünfzig Prozenthürde in der Regel bald überschritten sein.
Die sechsten, Heidi Stöger und Marena Schattenberg, unterhielten sich samt Gegnern sehr gut, und Marena sagte dann gelegentlich einmal zu uns: „Na, ihr habt's einen Schmäh d'rauf.“ Heidi: „I schau eh immer, was's einidruck'n.“
Fredi Fenzl und Ingrid Feichtlbauer kamen mit leichter Verspätung an unseren Tisch. Maria vorwurfsvoll zu Fredi, der auch mit der Turnierleitung beschäftigt war: „Jetzt kummts ihr?“ Fredi: „Mir halt'n uns heit recht z'ruck.“ Ingrid: „Aber, bei'm Fall'n nett.“
„Wiafüter bist denn Du word'n?“ fragte Don Alfredo heuchlerisch Fakhreddin Beheshti, der mit Ezzat Arige heute ziemlich unglücklich agiert hatte. Fa biss zurück: „Des geht di eh nix an.“ Fredi: „Wann er net g'rad' kassier'n derf, is' er grantig.“
Viel Spass und Good Luck bis am Mittwoch, in einer Woche.
© IAM, 28.08.2011
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„Gott sei Dank, was Kaltes“
war der Tenor, als TGK ankündigte, es gäbe Wurst- bzw. Rindfleischsalat zum Abendessen. Aufopfernd hatte er in mühevoller Kleinarbeit Ringelchen für Ringelchen aus Wurst, Zwiebel und Rindfleisch geschnitten und mit Papaprikaschnitten verbrämt.
Nicht einmal Nachwürzen war dann noch nötig und mit einem kühlen Bierchen, für einige hartnäckige mit alkoholfreiem Gewässer, konnten wir dann die Hitze sogar noch ganz gut vertragen. Greterl Luibrands Apfelstrudel kam zwar aus dem Backrohr, war aber trotzdem äusserst geeignet als Nachspeise und wurde binnen kurzer Zeit verzehrt (er besteht immer aus zwei Schlangen über die Länge des Backrohres). Käse, Weintrauben und sonstiges Obst fand auch noch seine Abnehmer.
Wir gingen also mit guter Unterlage in das Turnier. Sieger, mit 59,17 %, waren unsere beiden Wüstensöhne, Ezzat Arige und Fakhreddin Beheshti, wobei Don Alfredo feststellte, Fakhreddin sei eigentlich nur ein Randwüstling. War da nicht wüst, oder nicht wüst, die Frage? Nun, Ezzat gab einmal einem Gegner keine Erklärung über den Abbruch eines Lizits. „Wir wollen darüber nicht diskutieren“ und Fa ging auch „in die Bücher“. Angewandte sari'a? Das gleiche Lizit erzeugte auch ein anderes Paar an unserem Tisch. Hier schlug allerdings die christliche Demut der lieben Ingrid in der Auskunft voll durch: „Ma, des war bled von mir, i hab kalte Fiaß kriagt.“ Es muss aber gerechter Weise konzediert werden, dass kalte Füsse bei Wüstensöhnen wirklich paradox wären.
Knapp dahinter, mit 58,33 %, kam Heidi Stöger mit mir auf den zweiten Platz. „Geh na“, sagte Heidi, „wann i des ane Mal auf deine ‚sechs Ohne‘, ‚siebene‘ g'sagt hätt', war'n mir haushoch Erster g'wesen.“ „Überseh'n ist auch verspielt“, heißt es, aber man kann Heidi hier keinerlei Vorwurf machen. Sie hatte sich nämlich den Tapferkeitsorden bereits verdient, als sie schon vorher einen Top hereinbrachte, indem sie meinen „Sechser“ in einen „Siebener“ verwandelte und ihn, übermässig steil aufgerichtet sitzend, auch noch selbst erzeugte. Zwei Mal pro Abend, hieße Gott versuchen, und ausserdem hätte sie eine solche turnerische Höchstleistung kaum noch einmal durchgestanden.
Den dritten Platz, mit 52,08 %, erreichten Heidi Haiden und Fredi Fenzl. Heidi, von Kopf bis Fuss in Orange, unterschied sich von den farbgleichen Mönchen nicht nur durch figurbetonten Chic, sondern auch dahingehend, dass sie anstatt „Hare Krischna“ zu murmeln, was ich persönlich schon gar nicht ausstehen kann, zu meiner Beruhigung ihr geschliffenes Zünglein zu munteren Kommentaren bewegte. Fredi, der sein gröberes Pulver in einer Diskussion mit einigen Tarockspielern über Gsties, Mond und Pagat in möglichst bösartiger Spielverquickung, bereits ziemlich am Anfang verschossen hatte, ruhte sich aus und sah schweigend, nur noch orange.
Sehr stolz auf ihre Leistung können Ingrid Feichtlbauer und Rudi Harasek sein. Sie erspielten 50,83 % und damit den vierten Platz. „Heit spüt der Rudi Multi Karo“, sagte Ingrid, „in Zettl hab' i zur Vorsicht in mein Kalender.“ Dort blieb er umständehalber auch, es gab keinen einzigen derartigen Start, so ferne man die Konvention nicht überdehnen wollte. Trotz der kalten Füsse Ingrids und der hochinteressanten Tarock-Einführung Fredis, welche quer über den Saal hin vernehmbar, die Konzentration der handspielenden Ingrid bei einem schwierigen Kontrakt empfindlich störte (aber nicht zerstörte), gab es dieses tolle Ergebnis. Da konnte der immer hochkonzentrierte (und sehr spielstrenge) Rudi auch nicht mehr anders, er straffte die Schultern und nahm die Komplimente entgegen.
Marena Schattenberg und Rosi Kohlberger lagen knapp dahinter, ihnen dürfte die Runde gegen Heidi und mich die Percentage verpatzt haben, aber Heidi war so in Form, die konnte nicht mehr gestoppt werden. Marena und die rosig gewandete Rosi waren uns aber deshalb nicht gram, es gäbe da andere Gegner, sagten sie und die orange Heidi, die ihnen auf der Zornesader säßen. Manchmal hat man ja Glück und wir trösten natürlich die geschlagenen Gegner immer sofort, gestern ganz besonders Marena, die ich schon vorher mit der Türe empfindlich „geschlagen“ hatte.
Maria Grubhofer und Renate Ostheimer hatten ihre ganze Kraft in den Dienst der guten Sache gestellt. Da sie in der ersten Runde Pause hatten, erklärten sie einem „Kiebitz“, der interessehalber ein wenig herumschnupperte, in der Zeit von etwa vierzig Minuten das gesamte Bridge-Spiel, inklusive der künstlichen Ansagen und der vernünftigen Regeln: im Farbkontrakt nicht unter dem Ass ausspielen, mangels einer lizitierfähigen Farbe mit einer künstlichen Treff beginnen, einen Ohne-Kontrakt nicht ohne gegnerischen Stopper lizitieren und keinesfalls, ein Spiel vom vierten Bübl beginnen. Anlässlich der (bei allen anderweitigen Kartenspielern ersten) Frage nach den Möglichkeiten, zu bluffen, kam dann Fredi in's Spiel mit Gsties, Mond etc. (siehe oben). Es ist kaum zu hoffen, dass besagter Kiebitz wieder kommt, jeder vernünftige Mensch an seiner Stelle würde fluchtartig Reißaus nehmen.
Völlig ausser Form präsentierten sich Harald Schachner und Thomas Ketzl. Sie sagten zwar die präzisesten (Top) Slams an und erfüllten sie auch, aber rundherum schien alles schief gegangen sein, Don Alfredo prüfte sogar ungläubig das Ergebnis noch einmal von Hand. Auf die beiden machte es aber keinen sichtlichen Eindruck, vermutlich hakten sie es unter Künstlerpech ab.
© IAM, 26.08.2011
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„Ist der Highdlbeer-Kuchen guat!“
Natürlich ist der Ausritt zu Ax Genrich völlig daneben, denn es handelte sich definitiv um einen kreuzbraven Heidlbeer-Kuchen, den uns Greterl Luibrand vorsetzte, aber, bei dem Ausmass, in dem er gelobt wurde, hätten manche absolut ein wenig high sein können. Aber, Gott sei Dank, sind unsere Laster ja zur Gänze allgemein bekannt: Bridge, Völlerei, Bacchantisches und last not least, im grossen Spielsaal , blaue Wölkchen, also, wir sind Junkies der anderen Art.
Dabei schien das blitzartige Verschwinden von Greterls Kuchen doch ziemlich verwunderlich, denn er kam ja nicht auf leeren Magen. „Grubi“ Grubhofer hatte nämlich eine riesige Pfanne mit gratinierten Schinkenfleckerln und eine etwas kleinere mit Eiernockerln vorbereitet, die samt zwei verschiedenen Salaten binnen kürzerster Zeit in den gierigen, menschlichen Abgründen verschwunden waren. Es gab auch noch genügend Abnehmer für Himbeeren mit Zucker, Heidelbeeren, Pfirsiche, Weintrauben und Käse.
Als verantwortungsbewusste Gastgeber haben wir natürlich auch für alle Fälle eine Hausapotheke: Underberg, Fernet Branca, Whisky, Wodka und diverse Hausbrände.
Als erste in's Ziel lief allerdings die ranke, schlanke (sie hatte auch nichts gegessen) Heidi Müller mit Paola Schatzlmayr, die in Sachen Askese nicht so pingelig ist. 62,50 % waren ihre beachtenswerte Percentage. Paola, die auf das Ergebnis kaum wartete und los spurtete, vertrat kurzzeitig offensichtlich Heidis „Lisa“, die diesmal zu Hause geblieben war, mit der gleichen, blitzartigen Geschwindigkeit. Folge: HEIDI RENNT (aber nur hinten nach).
Mit 60,27 % auf den zweiten Platz spielten sich Christa Faschingbauer und Ezzat Arige. Interessant wäre, wieso die beiden, die ja doch ziemlich oft mitsammen spielen, und meistens auch sehr erfolgreich, jedes Mal vor dem Turnier das System neu besprechen. Vermutlich erteilt (bei uns) in Damaskus der Herr der Dame in jeder Situation die Direktiven neu. Ich glaube aber, man kann ganz beruhigt sein, denn Christa erklärt ihm schon, wie das so ist, bei uns in Linz.
Trotz heftigster Gegenwehr der beiden untereinander, erreichten Erika Kasbauer und Thomas Ketzl (der Energien frei zu setzen hatte, da Grubi statt ihm kochte) mit 54,91 % den dritten Platz. Wie man hören konnte, gibt es für jede Spiel-Konstellation zwei Lösungen, von denen jede für sich die einzig richtige ist. Erschreckend ist nur beispielsweise der Gedanke, dass es beim Team vier Partner gibt.
Knapp dahinter, mit 54,46 %, lagen Heidi Haiden und Rosi Kohlberger auf dem vierten Platz. „Heidi“, sagte Fredi Fenzl, „schön dass'd da bist, i hab schon scharf nachdenkt, wer dich eventuell gekränkt haben könnte, weil i di längere Zeit net g'segn hab.“
Daraufhin Heidi, knallhart: „Ma muas se eben a wenig rar machen, dann gilt ma was.“ Aber wer die „getrennten“ Abfälle, die sie uns immer vorschreibt, in der Zeit wo sie nicht da war, entsorgt hat, interessiert sie offensichtlich gar nicht. Die blöden Nespresso-Kapseln haben sich, wegen Überfüllung des Behälters, schon einige Male über den ganzen Küchenboden ergossen, und das alles nur, weil Heidi an einer Profilierungsneurose leidet und nicht erscheinen will. Da lob ich mir die Rosi: „Na, da hab'n mir scho a gewisses Standvermögen“, sagte sie, als sie Marena ein hohes Karo wegschnappte. Aber man kann auch diesen Standpunkt übertreiben.
Auf Platz fünf, mit 53,57 %, kamen Renate Ostheimer und Fredi Fenzl, die im allgemeinen ein friedliches Bild boten, zu hören war eigentlich nur in beinahe regelmässigen Abständen das Handy der lieben Renate. Vermutlich hat Fredi erst gar keine Diskussion begonnen, da er bis zum nächsten Handy-Geklingel ohnedies keinen vernünftigen Satz hätte zu Ende führen können. „Die wissen ja alle net, dass i Bridge spielen bin“, meinte Renate. Das kann man nach zirka fünfzehn Jahren auch wirklich von niemandem verlangen.
An sechster Stelle kamen Greterl Luibrand und Wolfgang Roth. „Des machst jetzt zum hundertsten Mal“, sagte Wolfgang, als Greterl seinen Eine-Ohne-Start mit zehn Punkten weg gepasst hatte. „I hab siebzehn Punkte und jetzt spü i den Sch...-Vertrag.“ Die Partie erwies sich als absoluter Top, alle anderen hatten die Manche angesagt, machbar waren aber nur acht Stiche. „Na, so was“, meinte Wolfgang, „i“, weiter kam er nicht. „Schweig“, sagte Greterl, „schweig nur, und schau zu mir auf."
Gut schlugen sich auch Rudi Harasek und Fritz Schmid, die weiter an ihrem System feilten und an ihrem Beliebtheitsgrad. Rudi betitelte galant die Damen mit „junge Frau“ und Fritz verteilte wie immer seine treuherzigen Blicke. Das werden schwierige Gegner werden, sobald sie auch noch ihr Lizit vollständig im Griff haben.
Marena Schattenberg und ich gerieten in den letzten Runden so richtig in's Schattendasein. Angefangen hätte es recht gut, der Rest war einfach nicht die Rede wert. „Uns habt's doch noch abg'hängt“ sagte Grubi als sie einen Blick in die Ergebnisliste getan hatte. „Des gibt's doch net“, sagte ich, „dass wir heut' überhaupt wem hätten abhängen können.“ Marena: „Mit'n Aufhängen hätten ma uns vielleicht leichter 'tan.“ Da würden uns aber bald die Gegner ausgehen.
Maria „Grubi“ Grubhofer und Renate Rathmair steckten jeden möglichen Keulenschlag ein, sehr oft auch unverdienter Weise. Dies trübte aber ihre Stimmung nicht, ganz im Gegenteil. Sie besannen sich der wichtigen Dinge im Leben und erfreuten sich an jeder Partie, die sich nicht augenfällig als Flop erwies. „Dabei muas ma no so aufpassen“, sagte Grubi, „dass ma dann net noch dazu in die Überstiche steht.“ Renate verließ in schleichender Haltung den Raum: „D'rum sag i ja schon lang überhaupt nix mehr.“ Hab' ich jetzt ein Kind im Ohr, oder was?
Ingrid Feichtlbauer und Günther Reder waren ebenfalls angestrengt dabei, ihr System zu vervollkommnen. Um gelegentliche Patzer von Vornherein gut abzufangen, setzte sich auch Günther zu den Schinkenfleckerln und erfreute Grubi durch sein Lob besonders, da er ja vom Fach ist. Ingrids Assoziationen kurbelten schon während des Essens sofort wiederum den allgemeinen Speichelfluss an, denn sie schilderte uns anschaulich den Surbraten, den sie am nächsten Tag für ihr Lokal zu erzeugen gedachte. Bridge ist schon eine anstrengende Sache. .
© IAM, 18.08.2011
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„Acht Stunden Faust“
gab Doris Eybl zur Antwort auf die Frage, welchem Kunstgenuss sie sich am Montag bei den Festspielen in Salzburg hinzugeben gedenke. Na, prost, Mahlzeit, in Bridge-Dimensionen gemessen, ein Marathonturnier. Poldi, ihr munteres Hundchen, zieht allerdings bis Dienstag zu TGK nach Linz. Verständlicher Weise stellt er sich nur unwillig der Gretchenfrage und lechzt auch nicht nach des Pudels Kern. Statt dessen überwachte er heute Nachmittag unser Turnier, aber, nicht als Turnierleiter, denn dafür war TGK zuständig.
Auch für unseren Gaumen. Auf Wunsch Heidi Stögers gab es eine Pfanne mit prächtigen Putenschnitzerln, daneben und zur Abwechslung ein wirklich hervorragendes Schweinsbratl (Beinscheiben) in Biersosse, frische Erdäpfel und grünen Salat. Der bekannte Ketzl-Guglhupf vertrug sich hervorragend mit einer Schüssel „Syllabub“ (Zitronensaft, Zucker, Schlagobers, Pistazien) und mit unserer Käseauswahl nebst Eiern, Weintrauben und Zwetschken war man auch noch sichtlich zufrieden. Wenn jemand schlecht spielte, tat er dies definitiv nicht aus hungerbedingter Entkräftung.
In satter Zufriedenheit nahm daher dann Erika Kasbauer das Ergebnis: Erster Platz mit 64,58 %, unterstützt von Partner Thomas Ketzl, zur Kenntnis. Die beiden spielten in letzter Zeit, von der Häufigkeit her, auch schon fast ein Marathon und so dürfte heute in allen Belangen Einigkeit geherrscht haben. Um es mit Goethe zu sagen, kein einziges „Thomas, mir graut vor Dir“.
Den zweiten Platz, mit 62,50 %, teilten sich ex aequo die Köche, Inge und Helmut, und Riki Komar, mit mir. Dem Vernehmen nach waren Inge und Helmut heute über alle Maßen großzügig. Abgesehen von dem süssen Präsent, in Form feinster Brüsseler Pralinen, das Inge mir gemacht hatte, haben die beiden, nach eigener Behauptung, auch Erika und Thomas mit zwei Geschenken beteilt. Ansonsten dürften sie hervorragend gespielt haben. Ich habe mir vorigen Mittwoch gegen die beiden vier absolute Saalpleiten eingeheimst, heute sind uns die zwei, Gott Lob, erspart geblieben.
Riki, extra vom Attersee angereist, war voll in Form. Langsam weiß ich inzwischen, dass nichts zu befürchten ist, wenn Riki als Handspieler leidend abwechselnd den Tisch und ihre Hand betrachtet, die reine Prophylaxe. Nur, wenn sie lächelt, da hat sie quasi schon aufgegeben. Heute war ihr Gesichtsausdruck meist geradezu schmerzlich, keine Partie hat sie verloren.
Lisl Eiselsberg und Fritz Schmid belegten den vierten Platz und konnten mit 47,2 % absolut zufrieden sein. Dabei hatte Fritz vorher noch geklagt, dass er in letzter Zeit so schlechte Ergebnisse hätte. Stimmt aber gar nicht, denn im Treffpunkt ist er am Montag Dritter geworden. Wäre es danach gegangen, wie er heute gegen Erika und mich gespielt hat, wäre er ganz vorne gelegen. Es war unsere schlechteste Runde.
Knapp dahinter, Lisi Lampl und Heidi Stöger. Da Lisi am Mittwoch mit Inge Koch das Turnier gewonnen hatte, meinte Heidi: „Na, ja, so a Partnerin hast halt heut' net.“ Lisi, ein wahrer Gutmensch, munterte Heidi gleich im ersten Spiel der ersten Runde auf, in dem sie ein Mal zu viel Atout zog und leider die Partie daher nicht erfüllte. Heidi: „Macht nix, jetzt tua i mi schon vü leichta.“
Lisi: „Genau wie am Mittwoch, mach i so an bleden Fehler.“ Riki: „Du glaubst gar net, wia i di versteh.“ Heidi: „Ja, und wia.“
Von so viel tapfer ertragenem Leid war dann ich schon den Tränen nahe.
Doris Eybl und Renate Rathmair wiederum scheiterten in der Runde gegen uns, der Ehrlichkeit halber muss aber gesagt werden, sie konnten nichts dafür, denn wir sagten alles an, wo die anderen irgendwie versandeten. „Jetzt machts sie's a nu, eich hab'm ma braucht“, sagte Renate. Doris: „Ja, was soll ma da sag'n?“ Wie wär's denn als Einstimmung auf Salzburg mit: „Nachbarin Euer Fläschchen!“?
Marena Schattenberg und „Don Alfredo“ Fredi Fenzl spielten mit wechselndem Erfolg, aber in Harmonie. „Fredi“, meinte Marena einige Male, „schlafst eh net ein?“, woraufhin Fredi jedes Mal seine bereits zu bedenklichen Schlitzen geschrumpften Augen aufriss und gelegentlich sogar in die Bidding Box griff. Ein einziger Anfall von auflodernder Brutalität unterbrach dann aber doch noch seinen Dämmerzustand. Auf die Frage: „Fredi soll'n wir Dir vielleicht die Karten aufleg'n, brauchst sie eh net halt'n?“ meinte er: „Ja, ja, i leg euch gleich ane auf.“ Angesichts seiner respektablen Handgrösse war es sozusagen Notwehr, ihn wieder dem Halbschlaf preiszugeben.
Eher mit wechselndem Mißerfolg kämpften Maria Grubhofer und Fakhreddin Beheshti, auch mit der Harmonie stand es nicht zum besten. „Furchtbar ist es heute“, sagte Fakhreddin „eine Katastrophe.“ Im Hinblick auf das Lizit hatte er ein wahres Wort gesprochen, sie kamen einfach nicht zusammen und Marias Handspiel war zumindest in unserer Runde auch nicht a la carte.
Ingrid Feichtlbauer hatte heute einen starken Nachmittag. Sie ist sehr lerneifrig und Renate Ostheimer bemüht sich geradezu rührend, Ingrid alles zu erklären, ohne Rücksicht auf die Percentage. Natürlich ist es anstrengend, aber Ingrid ist jetzt schon so weit, dass sie die Erläuterungen hinterfragen kann, um sie dann auch anzuwenden. „Ingrid“, sagte ich, „wie geht's Dir denn?“
Ingrid: „Frag' mi net.“ Um bei Goethe zu bleiben, wie wär's denn mit dem Zauberlehrling? „Die ich rief die Geister, werd' ich nun nicht los.“ So ist es eben mit Bridge.
© IAM, 13.08.2011
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„Manchmal spü i wia der erste Mensch“
sagte Lisi Lampl geniert, bevor sie das gestrige Turnier gewann. Verachte man nur die ersten Menschen nicht, die arbeiteten schließlich erfolgreich auf die Zeugung vieler Millionen Nachfahren hin, aber so heftig war Liserl nun doch nicht unterwegs. Sie spielte nur nach längerer Abstinenz wieder zum ersten Mal ein Turnier, „zeugte“ aber erfolgreich eine Menge an Prozenten. Vermutlich kam sie erholt aus der Ruhe vor dem Sturm.
Der Sturm begann für uns aber schon ein wenig früher, nämlich, als TGK die zwei Kasserollen mit Eierschwammerl-Gulasch, einmal mit Fleisch und für Vegetarier ohne Fleisch, auf die Warmhalte-Platten gestellt hatte. Dazu gab es wahlweise flaumige Semmelknödel und frisches Bauernbrot sowie italienischen Blattsalat. Als Nachspeise brachte er Marillenkompott, aus selbst in der Wachau ausgesuchten Früchten, und seinen Standardgugelhupf (diesmal ohne den bisher unvermeidlichen Ketzlriss) mit Schlagobers. Etwas Kuchen blieb noch über, aber die gesamte Käseplatte, die diesmal besonders üppig bestückt war, samt Weintrauben, war, bis auf einen Bissen, geleert, den ich dann zur vollständigen Auflösung halb gewaltsam dem eben vorüber schlendernden Fahkreddin aufdrängte. So war letzten Endes wohl nur mehr das Geschirr wegzuräumen.
Natürlich gewann Lisi nicht alleine das Turnier, sie hatte als hervorragend Partnerin die bewährte Inge Koch, die beruhigend („Wir spün total entspannt, Lisi, schau auf mei Lizit und denk nach“) auf Lisi einwirkte und schlimmstenfalls ein „Oh“ von sich gab, was aber auch nicht oft vorkam (Zwillingsgeborene sind einfach ideale Partner). Lisi: „I Depp, wann i den an bleden Fehler net mach, spün ma ja 100%.“ Na, ja, bewunderte 57 % genügten auch und Lisi packte ihre nicht benötigten Unterlagen („aber i hab schon vorher g'lernt“) freudig wieder ein. So was geht aber auch inside, wie Honigseim.
Mit 55,83 % erzielte „unser erster Wüstensohn“ (Originalton „Don Alfredo“) Ezzat Arige mit mir den zweiten Platz. Bis wir zu „unserem zweiten 'Wüstensohn“, Fa Beheshti, kamen, spielten wir fehlerlos. Dem, gestern leicht grantigen, Partner Fredis machten wir völlig unnötiger und sinnloser Weise drei Partien zum Geschenk, denn er wurde dadurch um keinen Hauch lustiger. Als Fredi „Drei Ohne“ spielte, griff Ezzat nicht von seiner starken Farbe an, sondern von einer punktelosen Treff. Kurz gesagt, wir blieben beide auf unseren Stichen sitzen. „Ezzat“, sagte ich, „greif, bitte, von da an, wo Du etwas hast, auch wenn der Gegner dadurch einen Stich macht, wir haben dann den Rest, ausserdem spiele ich Dir die ausgespielte Farbe zurück.“ Später, am Tisch eins, griff ich dann die liziterte Herz des Handspielers unter dem vierten König an, Ezzat hatte das Ass, spielte Herz zurück zu meinem König und aus war es, Karo (ich hatte Ass, Bube, klein, Ezzat so ziemlich den Rest, ohne König) konnten wir bis auf das Ass nur noch abwerfen. Daraufhin Ezzat zu mir: „Ausspielen immer dort, wo man etwas hat, ich spiele es dann zurück.“ Wo er recht hat, hat er Recht.
Den dritten Platz, mit 52 %, belegten Fa Beheshti und Fredi Fenzl. Als Fa sogar die drei Geschenke durch uns nur mißmutig in Empfang genommen hatte und uns ziemlich ungerechtfertigt Langsamkeit, Spielstörung etc. vorgeworfen hatte, wusste ich, er musste durch die gut hörbaren Pausen-Schilderungen Fredis über südamerikanische Zustände nervlich sehr stark aufgewühlt gewesen sein, denn sein Spielgeld-Inkasso vorher war ohne Störung verlaufen und das wäre das einzige, wo ich mir den fröhlichen Fa übellaunig vorstellen könnte. Fredi enthielt sich jeglicher Aussage.
An vierter Stelle, mit 51 %, lagen Helmut Koch und Adi Korista. Vom Zauber des Bridge-Spieles waren die zwei gestern nicht gebunden. „Also, jeder spüt de so, da kenn' i mi nimmer aus“ war der Tenor des Lizits, aber zum Glück ist es noch halbwegs gut ausgegangen. Beide dürften aber d'accord mit Tante Jolesch gewesen sein: „Gott schütz' uns vor dem, was g'rad' noch a Glick is'.“
Knapp versäumt, was g'rad' noch a Glick is', haben dann Erika Kasbauer und Thomas Ketzl und landeten auf dem fünften Platz. Normaler Weise verstehen sich die beiden gut im Lizit, aber gestern ging da wohl einiges schief. Da nützt gutes Gegenspiel auch nicht mehr viel.
Auf Platz sechs kamen Marena Schattenberg und Heidi Stöger. Marena brachte einige sehr resche Lizite durch und Heidi, mit sich und der Welt zufrieden, da sie ihr eigenes Schammerl wieder unter den Fusserln hat, meinte nur einmal, als sie Marena auf zwei Treff gehoben hatte und diese in Etappen, bis gegen unsere „Drei Herz“ auf die Treff-Manche ging: „Mir is ja scho ganz anders wor'n, weil i's amal g'hom hab'.“ Leider ging die Verteilings-Partie, wir wären auf fünf Herz im Kontra zu hoch gefallen. Aber ein Kontra Marenas auf „Fünf Herz“ gegen Erika und Thomas ging dann doch voll in die „Unaussprechliche“. Heidi meinte: „Amal hat's ja so kumma müassen.“ Dieser Meinung dürfte Marena nicht gewesen sein.
Maria Grubhofer und Gerhard Sobotka waren die Uneinigkeit in persona. „Was lizitierst den net, was hast?“ Maria: „I beschreib' Dir mei Blatt wia's is'.“ „Du hast mir „vier/fünf“ lizitiert". Maria: „Na, heit is' er wieder kopfert.“ Gut, dass die Betreiber des eleganten Bridge-Sports auf geistiger Ebene ihre Differenzen beseitigen, denn Maria hat seit gestern einen sündteuren neuen Gehstock, aus dessen Holz man die ebenfalls sündteure „Savinelli“ schnitzt. Ein schlagendes Argument mit Marias Instrument würde also bestenfalls einen exklusiven Pfeifenraucher nicht beleidigen. Da Gerhards Golfschläger eher auf eine Affinität zu Metall schließen lassen, dürfte er exquisites Holz in dieser Form nicht zu schätzen wissen.
© IAM, 11.08.2011
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„San des Schnecken?“
fragte Maria Grubhofer, als sie die Pfanne mit den kleinen moccafarbenen Filetstückchen sah. Nein, es waren Steinpilze, saftig und in Butter gebraten. „Des san Steinpilze“, sagte Thomas Ketzl, „und ich bitte zu bedenken, dass jeder etwas von dieser Zuspeis' erwischen sollte.“ Die Hauptspeise bestand nämlich aus Lungenbraten mit Kräutern und Mozarella im Blätterteig und zartem grünen Salat. Irgendwie funktionierte der akustische Zugang aber offensichtlich nicht überall, denn nach ziemlich kurzer Zeit mussten die Speisenden auf die leckere Schwammerl-Beilage verzichten, die Pfanne war leer.
Umso schneller schwenkten wir dann auf die hervorragenden Nussbeugerl um, die Inge Koch anlässlich des Geburtstages ihres besten Ehemannes von allen, Helmut, erzeugt und spendiert hatte. Der riesige, hochbeladene Teller schrumpfte, ebenfalls in Kürze, auf den possierlichen Rest von drei Beugerln zusammen. Angesichts der ursprünglich vorhandenen Menge, wollte Inge eigentlich sagen, man könnte den Rest gefahrlos einfrieren und für Mittwoch wäre dann schon unsere süsse Nachspeise gesichert. Greterl Luibrand befindet sich nämlich auf einer Golf-Reise und nix wird es mit Apfel/Topfenstrudel oder Gugelhupf.
Vorderhand machten wir uns aber dahingehend keine gröberen Gedanken, denn wir waren auf eine Koch'sche Sektfete eingeladen, die ebenfalls zu Ehren Helmuts des Grossen ablief. Nach der Beglückwünschung samt den zugehörigen Abküssungen des Geburtstagskindes verlangte es ihn nach dem Lied. Und wir sangen, aus voller Kehle und mit Inbrunst, Happy birthday, Helmut war gerührt. Dabei wusste er noch gar nicht, dass er an unserem Tisch vier Tops geschenkt bekommen würde. War aber auch gut so, denn man sollte einen „Fünfzig-plus“-Jubilar keinen übermächtigen seelischen und/oder körperlichen Erschütterungen mehr aussetzen. So stand er schliesslich das Turnier ohne Schaden durch.
Auch seine Göttergattin Inge, zeigte kein Ermatten nach dem anstrengenden Backen, Sekt schleppen und dem Kräuter pflücken für unsere Küche und so holten sie sich 56,55 % und den Sieg. „Des steht ma heit' zua“, meinte Helmut.
Auf den zweiten Platz, mit 55,95 %, kamen Renate Ostheimer und Maria Grubhofer. „So schlecht wia neilich san ma net“, sagte Renate als wir an ihren Tisch kamen, „aber guat is' a net.“ „Na“, meinte Grubi, „heit rennt's leidlich. In Thomas hab'n mir ab massiert, aber die Köche, na furchtbar.“ Wenn man so knapp am Sieg vorbei schrammt, kann's gar nicht so furchtbar gewesen sein, aber da ist einfach diese abscheuliche Gier.
Mit 54,17 % an die dritte Stelle schoben sich Bernhard Grossegger und Thomas Ketzl. Auf meine Frage während des Lizits, ob sie „Blue Club“ spielen würden, meinte TGK: „Leider nein.“ Diese Partie, ich spielte dann „Zwei Treff im Kontra“ war für uns alle aber höchst amüsant. Als mein Tisch aufging, lag dort single Treff sechs und es war ganz offensichtlich, dass der Grosssteil der Atout-Karten bei Thomas sein würde. Zu Stich gekommen spielte ich also Treff zwei aus der Hand, Thomas gab Treff drei und ich sagte zu Bernhard, „Na, über'n Sechser wirst schon kumma.“ „Nein“, meinte er und legte dem Treff Vierer. Kein Witz, aber zum Lachen. Zwei Stiche später spiele ich klein zu Karo Dame, Zehner zu dritt am Tisch. Thomas gibt klein, ich sage „Karo Dame“ und Bernhard gibt den Buben zu, hatte aber auch den König. „He, na, geh so was“ rief Bernhard, „I war so sicher, dass du den Zehner nimmst, jetzt hab i gar nimmer g'schaut, Zwa Stiche in ana Partie, des is z'vü.“ Meine Partnerin, Erika Kasbauer: „Also am System liegt des net.“
Den vierten Platz teilten sich ex aequo Ezzat Arige/Fredi Fenzl und Erika Kasbauer mit mir, bei 51,19 %. Ezzat, mit dem ich bereits vor dem Turnier ein interessantes Gespräch über die politisch/wirtschaftliche Lage afroasiatischer Staaten geführt hatte, war wie immer, hellwach, schliesslich ist er Fachmann im Wissen um jede Möglichkeit der Vermögensanhäufung. Weniger munter war Alfred. „Stell Dir vor“, sagte er zu mir neben der Kaffeemaschine, „I bin jetzt im absoluten Wortsinn während des Lizits eing'schlafen. Mir spün a Herz und mach'n fünf, jetzt brauch i an Kaffee, mit sechsundzwanzig Punkten.“ „Wieso, ei'g'schlafen?“ frage ich. „Hast g'schnarcht?“ „Sag i ja, i war weg, richtig g'schlafen, i was gar nix.“ In dem Moment ging Ezzat vorbei. „Lass' ihm an doppelten herunter.“ Aber Fredi fand dann während eines weiteren Lizits an unserem Tisch doch noch zu seiner munteren Form zurück. Erika lizitierte „Eine Karo“, Ezzat legt Kontra, ich „Eine Herz“, Fredi: „Zwei Treff“ (mit wenig Punkten). Erika passt, Ezzat passt. Fredi: „Die weiblichen Wesen reden sowieso immer.“ „Nein Fredi“, sage ich „Nur du hast g'redt.“ Die Partie ging sich nicht aus. Ezzat: „Wenn er nix hat, wird er munter.“ Aber, gerechter Weise gehört, glaube ich, Bridge reformiert. Warum sollte es gegen die Bridge-Ethik verstossen, das visuelle Lizit aus der Bidding-Box wenigstens zeitweise auf die akkustische Ebene zu verlagern. Man spricht, oder man schnarcht und der Partner darf weiter lizitieren.
Erika und ich haben eigentlich nicht schlecht gespielt, sind aber sehr unpfleglich behandelt worden. Wir betrachten es aber als schlechte Generalprobe für ein gutes morgiges Spiel beim Turnier in Loiben.
Ingrid Feichtlbauer und Marena Schattenberg kamen auf den sechsten Platz und waren auch noch in den Meisterpunkten. Ingrid verbessert sich von Spiel zu Spiel und Marena hat es verstanden, auf die relative Anfängerin einzugehen. „Marena“, sagte ich vor dem Turnier, als sie dabattierten, „Du must Dich auf den schwächeren Spieler einstellen.“ „Ja, des tua i doch die ganze Zeit, i frag's ja eh pausenlos.“ Ingrid: „Ja, tuats eh, aber i müsstert immer was sag'n.“ Es wird sicher schwierig sein, etwas zu sagen, wenn man Sachen gefragt wird, bei denen man nicht weiss, ob man überhaupt etwas zu sagen hat.
Nicht sehr einig waren sich zeitweise Fakhredddin Beheshti und Adi Korista, aber es dürfte ihnen öfters ähnlich wie uns gegangen sein, man hatte genügend Manche-Material, war aber von den Gegnern abhängig. Gelang es ihnen, sofort Schnappstiche zu lukrieren, war die Partie nicht zu machen. Je nach dem, erwies es sich dann als gut oder schlecht, die Manche angesagt zu haben oder nicht.
Lisl Eiselsberg und Fritz Schmid spielten immerhin noch 41 %, sind aber im Moment nicht in ihrer gewohnten Form, manchmal läuft es eben nicht, aber das kennt jeder Spieler. Da heisst es, abwarten und Tee (oder sonst was) trinken.
© IAM, 07.08.2011
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„Das ist der Fluch der bösen Tat“
musste sich Greterl Luibrand anhören, als auf ihr Zwischenlizit von Zwei Karo ihre vierte Dame unter das Ass des Gegners fiel, denn Wolfgang hatte pflichtgetreu Karo ausgespielt. Wie dem Pech auch noch das Unglück folgt, hatte der Gegner Ass, König, Bube und Zehner in verteilten Händen und konnte, ohne zu überlegen, vier Stiche für sich buchen. Hätte Wolfgang unbeeinflusst ausgespielt, hätten sie sofort vier Treffstiche arretiert, zwei davon schliefen leider in der Folge ein. „Grete“, sagte Wolfgang, „fünf, fünf, fünf Karten für ein Gegenlizit.“ „Ja“, sagte Greterl, „hab i aber net, aber i muas Dir meine zehn Punkte sagen.“ „Die interessieren mich doch nicht, als gepasster Partner.“ Gegner Fredi Fenzl, wie oft, gedanklich abwesend: „Wie soll man denn dem Partner sonst signalisieren, welches Ausspiel man haben möchte?“
Fredi trug allerdings die schwere Last der Turnierleitung für den gestrigen Abend, denn TGK hatte zwar für uns gekocht, war aber als Springer wieder nach Hause gegangen. Seine bunten, gefüllten Paprika in Tomatensosse mit Salzkartoffeln ließen wir uns aber trotzdem munden und Greterls, wieder besonders gelungener. Pflaumenstrudel zog uns zwischendurch immer wieder an's Buffet. Für das Backen sind die Regeln halt doch wesentlich einfacher: Hier braucht die (backende) Dame weder zu viert noch zu fünft sein, single genügt. Das Tablett für Käse und Weintrauben war auch sehr bald single, nämlich, verdächtig leer.
Mit etwas strengem Blick wiederholte dann Marena Schattenberg ihren Erfolg vom vorigen Mittwoch und holte sich mit Renate Ostheimer 60,42 % und den ersten Platz. Mit etwaigen Urgenzen hatte Renate keinerlei Chance: „I spü des so“, sagte Marena kühl und Renate schwieg und widmete sich dem Kuchen. („Die Paprika san so gross, wer kann denn so viel essen?“ Na, wir alle, aber wir haben genügend Behältnisse für einen eventuellen Heimtransport des nicht zu bewältigenden Restes).
Nicht ohne die gewohnten Kabbeleien kamen mit 58,33 % Fakhreddin Beheshti und „Don Alfredo“ Fenzl auf den zweiten Platz. Fa, geschäftig und behilflich wie immer, kümmerte sich den ganzen Abend noch rührend um „Grubi“ Grubhofer, die am Nachmittag den Arzt aufgesucht hatte und nicht sehr gut d'rauf war. Als er ihr beim Heimgehen die Krokodilleder-Handtasche über die Stiege nachtrug, konnte ich mich nicht enthalten, ihm zu sagen, wie elegant diese ihn kleide. Daraufhin nahm er den Rest der Stiege im Stile Marilyn Monroes. Na, der kann wackeln!
Genau 50 % und den dritten Platz erreichten Greterl Luibrand und Wolfgang Roth. „Jetzt nimm i mir nu a Bier“, sagte Wolfgang. „Wieso“, meinte Greterl, „hast eh scho zwa g'habt.“ Wolfgang: „Ah, schau, des merkst da!“
Maria Grubhofer und ich hatten spielerisch nichts zu lachen, denn bei den wenigen Ergebnissen genügte es schon um den Nuller zu haben, wenn ein Board von einem Paar unsinnig gespielt wurde. Offenbar haben sich alle diese Katastrophen über unser Haupt ergossen. „Da, kann ma nix machen“, sagte Grubi, „sie hab'n uns bedient, aber lustig ham ma's g'habt.“ Fa Beheshti: „Eh klar, was's ihr braucherts, war a Invalidenschein.“ Maria zu mir: „Muast da a Foto machen lassen.“ Unerhört, aber wenn das so weiter geht, lass ich doch sicherheitshalber gleich eine ganze Serie schiessen.
Rudi Harasek und Fritz Schmid übten den ganzen Abend hin einige neue Konventionen, hatten sich aber einen schlechten Zeitpunkt dafür ausgesucht. Es waren einige so merkwürdige Verteilungen dabei, dass zu einem Missraten nicht unbedingt eine ungewohnte Konvention erforderlich war. Ein noch nicht gespieltes Board beeinspruchte Rudi (er hatte eine acht/vier-Hand) beim Turnierleiter, mit der Begründung, es sei mit neuen Karten bestückt, aber nicht gemischt worden. Ich war eigentlich der Meinung, man müsste jede Verteilung lizitieren können, aber die Turnierleitung entschied darauf, neu zu mischen.
War aber dann auch egal, denn es brachte im Endeffekt weder den double Herrn noch den Damen double an unserem Tisch etwas.
© IAM, 04.08.2011
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Gut, aber aus!
Die Rede ist von Thomas Ketzls Rindsrouladen des gestrigen Nachmittags. „Nimm des ganze Fleisch“, sagte ich noch gestern Vormittag, als TGK anfing, ein wunderschönes Stück Rindfleisch zu zerteilen. „Des wird genug“, war die Antwort. Thomas locuta, causa finita. Resümee: Wir bekamen beide kein Stückchen Roulade zwischen die Zähne, denn wie schon erwähnt, sie waren gut, aber aus, ein wenig Reis und Bratensaft und ein Tellerchen Salat fiel zwar noch für uns ab, doch es gab ja Gott sei Dank noch einen warmen Happen in Form eines Kaiserschmarrens. Nicht nur der Kaiserschmarren war made by TGK, auch das zugehörige Marillen-Kompott war sein Erzeugnis, und sogar die Früchte haben wir auf einer Tagesreise durch die Wachau selbst ausgesucht, Rudelführer war dabei unser Mentor „Don Alfredo“. Da die Schüsseln zum Schluss leer waren, muss messerscharf darauf geschlossen werden, dass es allen geschmeckt hat, auch die Weintrauben und die Käseplatte.
Um 18,30 Uhr platzte dann die Bombe. Gewinner des Turniers, mit 56,44 %, waren Ingrid Feichtlbauer und Günter Reder. Zufall war es sicherlich keiner, denn die beiden gambelten sich grossartig über die Runden, Ingrid legte einige kolossale Hände hin und Günter machte sich durch hervorragendes Gegenspiel, zum Beispiel bei uns, geradezu unbeliebt. „Geh“, sagte ich in so einem Fall, als ich die Hand spielte, zu ihm, „des is aber jetzt bled.“ „Na, na“ meinte er, „mir finden des guat.“ „Ja, aber i net.“
Daraufhin er höchst feinfühlig: „Wia Du des find'st, is mir wurscht.“ Ingrid: „Jetzt habt's eh wem zum Abmassier'n, mir wer'n eh Letzter.“ Und jetzt frage ich mich: Wie, also, finde ich denn dies eigentlich wirklich? Na, grossartig.
Unser Nachmittags-Cabaret stellten Uli Miller und Thomas Ketzl. Sie landeten zwar mit 55,78 %, unangefochten auf dem zweiten Platz, spielten aber ziemlich unterschiedliches Bridge, wie beispielsweise in folgender Sache. „Du hast aber jetzt stärker lizitiert, warum springst denn?“ Uli: „I spü des so, i muas da springen.“ „Na, a einfaches Rundenforcing genügt eh schon.“ Uli: „I spü so schlecht!“ Thomas: „Na, Du spüst gar net schlecht, Du bist a bisserl abwesend.“ „Ja, i bin abwesend heut.“ Grubi am Nebentisch: „Beim Springa müssat ma eigentlich anwesend sein.“ So oder so, in der Percentage waren sie auf jeden Fall sehr präsent.
Mit 54,63 % den dritten Platz erspielten Erika Kasbauer und Riki Komar. Die Austeilungen waren wie für Erika geschaffen, da gingen bei ihr die Pferde durch und Riki musste einfach mit.
Renate Ostheimer und Fakhredin Beheshti kamen zwar auf Platz vier, trotzdem aber wenig zusammen. Ein Stolperstein dürften jene Blätter gewesen sein, mit denen manche Spieler mit „2 Karo Multi“ beginnen, mit zwar einer Oberfarbe zu sechst, aber den Punkten in den Nebenfarben. Dies ging gestern aber gar nicht.
Dahinter Maria Grubhofer und Fredi Fenzl, die sich ebenfalls im Lizit nicht fanden. Schlecht stand es gestern jedenfalls immer für den Spieler, der auf Nord saß und ich könnte mir vorstellen, dass dies öfters auf Maria zutraf, zumindest konnte sie Fredi kaum zufrieden stellen.
Über das Ergebnis von Marena Schattenberg und mir gibt es nichts zu sagen, ausser, dass ich in erster Linie auf Nord gesessen bin.
Sehr erfreulich war, neben der Percentage von knapp 47 % im Ergebnis, die Tatsache, dass Judith Wolfinger und Peter Mair gestern wieder bei uns gespielt haben. Bester Laune und wohlgebräunt wurden sie von allen gefragt, ob sie aus dem Urlaub kämen. Nein, nein, nur wegen der vielen Arbeit wären sie einige Zeit nicht hier gewesen. Dem Augenschein nach kann das lediglich eine Art Aufbauarbeit zum Wohlfühlen gewesen sein.
Fritz Schmid und Lisl Eiselsberg kamen auch noch auf 44 %, obwohl die Blattverteilungen eindeutig gegen das von ihnen gespielte System waren. Fritz kam einmal leicht aus dem Konzept. als ich ihn, als Handspieler, hinterher nach dem Grund seines Zögerns fragte, auf Grund dessen ich einen Impass auf die Treff Dame, der dann schief ging, gespielt hatte und einmal gefallen war. Er wusste wirklich nicht, warum ich ihn dies gefragt hatte und so kam er nach dem Ende des Spiels zu mir, um sich eine Erklärung zu holen. „Oh je“, sagte er, „muaß ma da aufpass'n?.“ „Ja Fritz“, sagte ich, „des is wichtig, dass ma net gegen dich die Turnierleitung holt, oder dass du selbst einifallst." „Danke“, meinte Fritz, „des muas an ja g'sagt werd'n.“
Tut ja schon die Bibel, lieber Freund: „Seid wachsam und nüchtern“ (1. Petrus 5.7-11). Zwei erstklassige Anleitungen für das Stammbuch eines Bridge-Spielers.
© IAM, 31.07.2011
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Narrische Schwammerl!
„Der Wolfgang hat heit' wieder hassardiert“, sagte „Grubi“ Grubhofer nach dem Turnier „absolut narrisch.“ „Ja“, meinte ihre Partnerin Renate Ostheimer, „mir hab'n nämlich gar net so schlecht g'spüt, aber es ist alles einigaunga. Aber wenigstens d' Schwammerl war'n guat, i hätt' gar ka Fleisch einibraucht.“ Besagte Schwammerl befanden sich in einem Potpourri TGKs in Gemeinschaft mit geschnetzeltem Schweinefleisch, Paprika, Kräutern und weiterem fein geschnittenen Gemüse in pikanter Sosse. Dazu gab es Butterkartofferl und anschliessend Greterl Luibrands mürbsaftigen Apfelstrudel („Ich muas scho sag'n, i übertriff mi immer wieder selbst“) Käse und Weintrauben. Da Heidi Stöger Schweinefleisch nicht isst, bekam sie, extra für sie zubereitet, ihre Schwammerl mit einem hübschen Rinds-Steak, denn, das Wohlbefinden unserer Spieler ist TGK wichtig.
Der Ordnung halber muss allerdings gesagt werden, dass Wolfgang Roth durch die Festellung, er würde (manchmal) narrisch hassardieren, keinesfalls verleumdet wird, aber, noch wichtiger ist die Feststellung, dass dies absolut in keinen Zusammenhang mit unserer gestrigen Schwammerl-Mahlzeit gebracht werden kann. Wir alle waren auch nicht narrischer als sonst und Wolfgang hat überhaupt nichts gegessen. Die Möglichkeit hätte vielleicht für Greterl bestanden, aber auch sie hatte wirklich nur eine ganz kleine Portion.
Mit oder trotz Schwammerln siegten, mit 58,04 %, letzten Endes Marena Schattenberg und Rosi Kohlberger. Beide bewiesen durch das ganze Turnier hin unerschütterliche Ruhe und sogar als Marena Wolfgang Roth über ihr selbst getätigtes Lizit Auskunft gab und dafür von ihm leicht aufgeregt gerügt wurde, kam von ihr ein sanftes: „Guat, i bin ruhig, i sag' gar nix.“ Na, so billig kommt man normal bei Marena nicht davon und ich hätte schon so die Ohren gespitzt, denn: Überstiche can not wait.
Mit 55,36 % kamen dann Greterl Luibrand und Wolfgang Roth auf den zweiten Platz. „Weisst Du“, sagte mir Greterl heute am Telefon, „wenn der Wolfgang gestern bei der letzten Partie früher die Atout gezogen hätte, wären wir Erster gewesen.“ Nachdem Frau sich gelegentlich durch Seitenhiebe gegen die Machos verwöhnen sollte, antwortete ich: „Greterl, Du wärst Erste word'n, wenn'st mit an entsprechenden Partner g'spüt hätt'st.“ „Ahhh“, schrie Greterl, „des sag' i ihm.“ Bon voyage, liebe Freundin!
An dritter Stelle lag dann das Geburstagskind Fakhreddin Beheshti mit mir. Auf 52,68 % fielen wir erst in der letzten Runde gegen Renate und Grubi, denn in der vorletzten hatten wir fünf Tops en suite. Beide Mädels klagten über schlechte Karten und narrische Gegner, aber bei uns bekamen sie Material und liefen zur Höchstform auf. Fa verlor aber nur einmal die Nerven und das war gegen Rosi und Marena. Nach einem „Drei Karo“-Start von Marena kontrierte ich in vierter Hand mit fünfzehn verteilten Punkten auf und hoffte darauf, dass Fa ein, zwei Stiche hätte und nicht lizitieren würde, aber leider kam von Fa „Drei Pik“. Hier hatte ich den Buben double und Fa das Ass zu fünft und Karo König. Daraufhin kam ein Kontra von Rosi und ich überlegte, ob ich auf „Drei Ohne“ gehen sollte, da ich in Karo Dame, Bube zu dritt hatte, tat es aber nicht. Rosi hatte fünf Pik, gut verteilt war nur ich, und Fa fiel vier mal. „Bist Du verrückt?“ fragte er mich und ich sagte ganz schüchtern, ich hätte es ernst gemeint und gehofft, er würde nicht lizitieren. Na, da kam ich gut an. „So was gibt es nicht, ich muss reden“, rief er zweimal und beim Verlassen des Tisches noch: „Lies das Buch, das steht im Buch, in jedem!“ Mea maxima Culpa, ich lese nur das Bridge-Magazin.
Exakt auf 50 % kamen Thomas Ketzl und Harald Schachner, die, ziemlich ungewohnt, Lizitschwierigkeiten hatten, aber dem Vernehmen nach über längere Distanz. Es zog sich zwar durch gelegentliche Fehlkontrakte manchmal etwas hin, aber es gab weder längere, noch lautstarke, Debatten.
Riki Komar und Heidi Stöger konnten sich zwar spielerisch nicht voll entfalten, unterhielten sich dafür aber blendend. Heidi, absolut (aber leicht geniert) happy, konnte ihre Füsschen wieder auf ihr gewohntes Podesterl setzten, denn es hatte sich in der, in ihrer Garage ausgeladenen, Auto-Kramkiste wieder gefunden. Riki, ganz in Weiss, befand sich einige Male in der akuten Gefahr der Befleckung, besonders einmal durch den hinter ihr vorbeigetragenen, gefüllten Teller, als sie sich, wie gewohnt lebhaft, mit der ihr gegenüber sitzenden Rosi unterhielt und energisch aufsetzte. Ob sie es überhaupt bemerkt hat, weiss ich nicht, denn sie reagierte völlig cool auf meinen Schreckensschrei, nur, wenn sie die Schwammerl zwischen Hals und Kragen bekommen hätte, wäre sie vielleicht berechtigt ein wenig narrisch geworden.
Wie schon erwähnt, konnten sich Maria Grubhofer und Renate Ostheimer ihre Percentage nicht so recht erklären, abgesehen davon, dass sie durch Greterl und Wolfgang zum Handkuss gekommen waren. Bei nur drei Resultaten kann man allerdings am Ergebnis relativ unschuldig sein und andernfalls klopft nicht jeder so einsichtig und reuig an seine Brust, wie ich.
© IAM, 28.07.2011
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„Begrüsst Du heut' net in Poldi“
fragte mich verwundert Doris Eybl, als wir am gedeckten Tisch beim Essen saßen. Poldi ist sozusagen mein Patenhund, jedenfalls aber mein Lieblings-Wauwau. Wenn Doris verhindert ist, darf er bei mir logieren und jetzt sass er, ohne dass ich ihn gesehen hatte, isoliert im Nichtraucherraum, damit er nichts vom Buffet stibitzen könnte. Er liebt angeblich nur Trockenfutter, sagt Doris, aber ich glaube dem Hund.
Es wäre natürlich für Poldi eine feine Sache gewesen, hätte er ein bisschen mithalten dürfen. TGK hatte für uns Tellerfleisch aus Schulterscherzel, Gemüse und Nudeln vorbereitet und zur Hauptspeise ein Eierschwammerl-Gulasch mit Semmeln-Knödeln und grünem Salat. Hinterher stand saftiger Eierlikör-Gugelhupf mit Schlagobers bereit und die Käseplatte samt Weintrauben bereicherten wir diesmal mit zwei Töpfchen schwimmenden Käses. Auch Kekse und Pralinen-Kugeln fanden immer noch ihre Abnehmer. Es waren aber auch fünf Tische abzufüttern.
Und so gingen wir wohligen Magens in das Turnier, während, der quasi nach Trockenfutter verrückte, Poldi zeitweise den Hals riskierte, um wenigstens ein bisschen vom Geruch der Köstlichkeiten zu erschnuppern.
Leicht stotternd, vor Aufregung, versicherte uns vor dem Turnier in Abständen die Siegerin des Abends, Uli Miller: „I hab' ja net, der Thomas, i, i bin ja einteilt word'n, auf a mal hat er g'sagt, und jetzt spü i auf a mal mit'n Roland.“ Und es zahlte sich aus, Uli und Roland Berndl erreichten 63,73 %. Dabei hörte es sich den ganzen Nachmittag so an, als hätten sie nicht die kleinste Übereinstimmung gefunden. Die Diskussionen waren offensichtlich auch nur mehr rein akademisch, nachdem Uli das Mißtrauen überwunden hatte. Die beiden waren ziemlich am Anfang zum falschen Tisch gewechselt und hatten (nur) ein Board im Mißfit gespielt, da Uli Rolands Ansage nicht vertraute. An einem späteren Tisch kamen sie nun regulär wieder an dieses eine Board. Roland und Uli lizitierten wiederum, aber, inzwischen hatte Uli spielerisches Zutrauen zu Roland gewonnen, und sofort kam sie zum richtigen Kontrakt. Nur, jetzt musste ihr Roland mitteilen, dass die Partie nicht mehr gespielt werden konnte, freute sich aber über die Früchte der vorherigen Debatte.
Die ähnliche Situation ergab sich bei den Zweitplacierten (55,25 %) des Turniers, Riki Komar und Fredi Fenzl. Riki war zwar nicht scheu oder beeindruckt von ihrem Partner, musste aber über weite Distanzen eine Menge Belehrungen hinnehmen, ist aber Frau genug, um Fredi Paroli zu bieten. Fredi wäre allerdings nicht Fredi, hätte er sich dafür nicht einen Ausgleich gesucht. So probierte er sogleich in Erika und mir (er folgte uns im Turnier) ein Opfer zu finden, in dem er, am Küchentresen lehnend, tönte, er werde das ganze Turnier über beim Platzwechsel warten müssen. Dass auf ihn gewartet wurde und wir bereits die nächste Runde spielten, war dem Zerstreuten wieder einmal entgangen. Ein typisches Leiden der astrologischen Wassermänner.
Die Söhne Abrahams aus der Linie Ismaels landeten knapp dahinter, mit 54,35 %, an dritter Stelle ex aequo mit Josefa Zauner und Thomas Ketzl. Ezzat Arige und Fakhreddin Beheshti belebten ebenfalls das Geschehen durch eingehende Debatten, natürlich spielerischer Art. Als Fa, der die Hand spielte, einmal irgend etwas an Ezzat bemängelte, meinte dieser: „Ich? Ich bin nur der (phonetisch deutsch ausgesprochen) Dummi.“ Absicht, oder Freudscher Versprecher? Wohl kaum, Ezzat ist ein Spötter und Meister der Ironie. Eigentlich, finde ich, schließt das Finden dieses Begriffes eine äusserst fehlerhafte Lücke im bestehenden Bridge-Vokabular, zeitweise ist man doch leider öfter der Dummi als der Dummy.
Josefa hatte einige Anfangsschwierigkeiten, da sie es nicht gewöhnt ist, einem Partner gegenüber zu sitzen, auf dessen Ansagen sie sich wirklich verlassen kann. Da Thomas neuerdings aber auch sehr einfühlsam sein kann und einige schwierige Passagen gut erklärt hatte, fasste Josefa Zutrauen, spielte einige Hände sehr gut und wurde dafür auch entsprechend gelobt. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen.
Doris Eybl und Renate Rathmair liefen uns mit 53,93 % knapp den Rang ab, in dem sie in der letzten Partie hinterlistig einen schwachen Hochstart unterdrückten und dadurch Erika in die Manche kommen ließen. Zwei mal nicht, im Kontra, brachten ihnen leider 500 Punkte und uns Null Prozent. Aber, für Poldi verzeihe ich Doris (fast) alles und Renate (frisch vom Friseur und auch sonst aufgebrezelt) war zu schön, als dass man ihr hätte böse sein können.
Mit 52,34 % kamen Erika Kasbauer und ich auf den sechsten Platz, es wäre aber nicht notwendig gewesen. Einige Male waren wir zu hoch im Lizit (die Verteilungen waren wieder abstrus), eine Partie erfüllte TGK im Kontra und ein paar abgezogene Hochkarten durch unser Gegenspiel waren dann eher das Gelbe vom Ei für den Gegner.
Der dritte Zitterrochen des Nachmittags, Ingrid Feichtlbauer („Oh, Gott, i spü mit'n Adi, na der wird schau'n“), hatte den gestern überaus gütigen Adi Korista zum Partner und kam auf, für eine Änfängerin stolze, 49,22 %. Adi beruhigte sie, erklärte ihr schwierige Passagen und was so unendlich wichtig ist, er lobte sie für gutes Hand- oder Gegenspiel und ließ sich auch von Erika nicht unterbrechen dabei. Hinter einem gestandenen Mannsbild ist man halt schon recht gut geschützt.
Auf Platz Acht lagen Marena Schattenberg und Heidi Stöger. Heidis Fusserl thronen beim Spielen noch immer auf dem roten Plastikschaffel, obwohl sich niemand erklären kann, wen beim Anblick des schwarzen Klotzes zur Fussablage die Habsucht hätte übermannen können, äusserst mysteriös, die Sache, denn unsere Perserteppiche und das Kristallgeschirr ist noch immer da, nur das Plastikschammerl is weg. Aber Heidi bleibt trotzdem froh und ausgewogen und harmoniert bestens mit Marena.
Einige Manchen haben sie versäumt, aber wer weiss, ob Marena nicht grössere Urlaubspläne durch den Kopf gehen, jedenfalls hat sie sich für die von „Don Alfredo“ erstellte Südamerikatour eingehender interessiert. In diese Gefahr gerät Heidi kaum mehr, war sie doch schon von ihrer seinerzeitigen Indienreise nicht sonderlich begeistert (Armut).
Sehr gefreut haben wir uns über den Besuch von Heidrun Mali und Marianne Kettner aus Wels (Oase). Beide haben wesentlich zum unterhaltsamen Nachmittag beigetragen und hatten ein hartes Kopf-an-Kopf-Rennen mit Marena und Heidi. Zum Abschied haben wir sie noch ganz dick zum Wiederkommen eingeladen und sie haben gemeint, sie würden uns beim Wort nehmen. Wir zählen natürlich darauf, denn auch für der Heimat „grosse Töchter“ gilt jetzt paritätisch: Eine Frau, ein Wort!
Dass Lisl Eiselsberg wieder von der Kur zurück ist, freute nicht nur uns alle, sondern besonders ihren ständigen Partner Fritz Schmid. Die verzogenen Hände des gestrigen Turniers waren zwar kein einladender Faktor für den Wiedereinstieg in die Gemeinsamkeit, aber die beiden unterhielten sich trotzdem so gut, dass man seine helle Freude daran hatte.
Auch das soll Bridge sein.
© IAM, 24.07.2011
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Es ist später, als Du denkst!
Endlich hat sich unsere Turnierleitung (über brachialen Druck) entschlossen, die Runden-Spielzeit durch das Einsetzen der Spieluhr markant zu begrenzen. Dies wurde wirklich gut aufgenommen und nachdem ein absolut überlanges Spiel (protestlos) sanktioniert worden war, lief alles recht gut. Psychologischer Moment am Rande: mit dem intervenierenden Turnierleiter probiert man zu verhandeln, aber wer versucht schon mit einer Uhr zu streiten?
Friedlich verlief auch des vorherige Knödelessen, die einzigen Fragen die sich aufwarfen waren: In welcher Schüssel sind welche? TGK hatte sich diesmal auf Fleisch- und Grammelknödel beschränkt und anstatt Kraut gab es noch jahreszeitlich gemäß Paradeiser- und grünen Salat. Greterl Luibrand, die leider nicht spielen konnte, da sie zur Wespenkönigin mutiert war, darüber aber gar nicht glücklich war und die Feuerwehr zu Hilfe gerufen hatte, die erst abends kommen konnte, brachte bereits am Nachmittag ihren berühmten Eierlikör-Gugelhupf, den wir uns vor und während des Turniers auf der Zunge zergehen ließen. Irgend jemand dürfte allerdings zu viel davon genossen haben, denn es gab einige Spiele (Lizit und Gegenspiel), die konnten nur unter Promille-Einwirkung zustande gekommen sein. Unnütz zu sagen, dass ich dadurch wieder zum Handkuss gekommen bin, denn dies ist mein verbrieftes Schicksal.
Käse, Weintrauben und sonstige Leckereien haben wir ohnehin immer bereit, um den Magen zu schließen.
Obgleich von oben erwähnter Sanktion mitbetroffen, siegten die extra vom Attersee an gedüste Riki Komar und die bereits beim Knödelessen unterhaltsame Wilhelmine Wiesinger, mit 59,82 %. Wilma besitzt eine Latifundie in Aussee und da die Damen äusserst kultursüchtig sind, ergötzten sie uns bereits vor dem Turnier mit Insider-Promigeschichten dieser Regionen. Na, da können schon auch mal Götter fallen.
Mit 54,91 % an zweiter Stelle befanden sich Heidi Stöger und Rudi Harasek. Heidi, deren Fussschemerl irgendwie verschwunden war, entschädigten wir, zumindest für diesen Abend, durch die Beistellung eines formschönen, hellroten, umgestülpten Waschschaffels, wodurch sie anscheinend, auch bei fehlendem Wasserdruck, den richtigen Auftrieb bekam.
Rudi, ein Hasardeur, aber auch Kavalier, ersten Ranges, schritt ungerührt über mein Anfangsgebot von „Eine Ohne“ mit einer bloßen Erstansage blitzschnell in die Manche von „Vier Pik“ und durfte die unerfüllbare Partie leider heimführen. Ähnliches gelang ihm in dieser Runde noch einmal. Was soll man da sagen? Von nun an ging's bergab, solche Tops sind absolut standfest.
Dritte, mit 50,45 %, wurden Renate Ostheimer und Fakhreddin Beheshti. Sehr viel Material dürfte Renate ja nicht in Händen gehalten haben, denn, zwischen mehr oder weniger lautstarken Erklärungen für Fa, zeichnete sich ein unüberhörbares: „I was wos i tua“ ab. Hätte sie öfter "wos zu tuan" gehabt, wäre das Ergebnis sicherlich noch besser geworden. Fa's Wortspenden lagen den Abend über mehr bei: „Nein, nein, nein.“ Seit er von seiner Bridge-Reise wieder zurück ist, klappt das Spielgeld-Inkasso wieder reibungslos.
Marena Schattenberg und Inge Mistlberger am vierten Platz sind wohl kaum erwähnenswert. Hatten wir auch einige unverdiente Nuller zu verkraften, so gaben wir auch reichlich, aber bestimmt nicht nach dem Prinzip: Teile und siege (herrsche). Eine schlechte Partie brachte uns die neue Spieluhr ein. Marena erschrak derartig, als neben ihr die Uhr los plärrte, dass sie, als Handspielerin, eine eigene hohe Karte schnappte. So kam halt eines zum anderen.
Obwohl ihnen die „Spieluhr-Partie“ zu Nutze kam, blieben Erika Kasbauer und Thomas Ketzl doch noch hinter uns. Die Blätter waren diesmal äusserst verzogen und besonders herzlastig (man hatte oft acht bis zehn Karten davon in einer Hand, gemischt von Rudi Harasek), und hier dürfte die besondere Schwachstelle bei ihnen gelegen sein. Erika, ebenfalls eine Hasardeurin, lässt da nicht locker und Thomas, bedachtsam und langsam auslizitierend, kann und will damit absolut nichts anfangen. Leider war auch die Blattlage meist so, dass, wenn sich die langfarbige Hand durchgesetzt hatte, die Partie zum Scheitern verurteilt war.
Knapp dahinter Heidi Heiden und Harald Schachner, die in der letzten Runde gegen uns ausgesprochenes Pech hatten. Hier gab uns das Blatt endlich die Möglichkeit uns zu entfalten und Tops zu schreiben und Harald sagte nur ein um's andere Mal: „Da könnan ma nix dafür“, und recht hatte er. „Aber beim letzten jetzt, jetzt wer'n ma euchs zagn.“ Das letzte Board der Runde brachte dann auch tatsächlich 100 % für sie.
„Secht's es, i hab eichs g'sagt.“ „Harry“, sagte ich, „jetzt hab'n wir eich g'winnen lassen, sonst kummts ja nimmer.“ Harald: „Des halt's euch aber nächstes Mal gleich am Anfang vor Augen.“ Heidi zu mir: „Und wann'st in der Kuchl stehst!“
Um Gottes Willen, TGK würde mich umbringen, wenn er durch mich sein bestes Helferlein verlieren würde.
© IAM, 21.07.2011
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Sparen, heisst die Devise.
„Wofür hast Dir denn wirklich des Ass aufbehalten?“ fragte ich Maria Grubhofer, die in der Pause hinter mir kiebitzte, als sich TGK (ihr Partner) darüber ärgerte, dass sie am Tisch vor uns im drittletzten Stich das Herz Ass gebuhlt hatte und letzten Endes darauf sitzen geblieben war. Sie hatte damit nicht nur sich, sondern auch uns einen satten Nuller beschert. Maria indigniert: „Für später.“ Thomas: „Des Ass muas ma sich ja auf jeden Fall g'halt'n." Maria: „Des mant er jetzt wieder ironisch." Diesen Verdacht konnte ich nicht als unbegründet abtun.
Thomas Ketzl befand sich aber bereits vor dem Spiel leicht aus dem Gleichgewicht, da er es nicht gewöhnt ist, dass von seiner Küche anderweitig Besitz ergriffen würde, schon gar nicht von einem befehlsgewohnten weiblichen Wesen wie Renate Ostheimer. Sie komponierte uns nämlich „Spaghetti carbonara original“ nach Renate Art und wich keinen Zentimeter von Ofen und Arbeitsplatte. „Eier, Nudeln, aber heiss, Gabel“ etc. kamen knapp ihre Anweisungen. Da kann der angestammte Koch schon einmal die Nüstern blähen, noch dazu, wenn er, wie TGK, eben dabei ist, ein Blech mit köstlichem Mandelteig zu bestreichen und mit den besten Marillen des Sommers zu belegen. Dank des hervorragenden Zusammenspiels schmausten wir aber dann Spaghetti carbonara mit Paradeisersalat, Marillenkuchen und Käseplatte samt Weintrauben, und liessen uns nicht eimal von der grössten Hitze stören.
Trotz der heutigen Diaspora, unsere Mitglieder befanden sich zum Teil auf Bridgereise, waren im Urlaub oder fielen krankheitshalber aus, kamen wir auf zweieinhalb Tische und legten uns zweiunddreissig Boards auf. Alles schön gemütlich.
Ganz knapp fiel der Sieg mit 54,69 % auf Ezzat Arige und Inge Mistlberger. Heute hatte Ezzat ausgiebig Gelegenheit, die Hand zu spielen und zeigte seine Zufriedenheit auch durch „freundlichen“ Zuspruch an die Gegner. „Ihr habts einen Nuller, aber eh nur an schwarzen“, „Einmal bist Du gefallen, aber den Rest hast Du sehr gut gespielt.“ Renate Ostheimer: „Am liabsten spü i eh immer den Rest.“
Im übrigen beschwerte sich Ezzat über das Versäumnis der letzten Überstiche, wo die Tatsache nicht erwähnt wurde, dass TGK so überaus gütig mit seinem Partner umgegangen war: „Na ja, a bisserl schwächelt des Revers vielleicht“ oder „A bisserl stärker hätt' i mir's vielleicht vorg'stellt.“ Jetzt frage ich mich langsam: Hat auch Ezzat das ironisch gemeint hat?
Den zweiten Platz („Hättest's Herz Ass abzog'n, warn mir erster“), mit 54,17 %, belegten Maria Grubhofer und Thomas Ketzl ex aequo mit Ingrid Feichtlbauer und Renate Ostheimer.
Bei aller (nicht verbriefter) Güte TGKs war Maria gelegentlich doch etwas verunsichert. „Wie ich's mach, ist's falsch, einmal abzieh'n, einmal net.“ Gänzlich verstört war sie dann, als er von ihr „psychologische Kriegsführung“ durch Tarnen und Täuschen im Abwurf erwartete. Grundsätzlich hatte er Recht, aber diese „Büberei“ war für eine respektable Dame nicht nachvollziehbar.
Da konnte ich sie nur trösten: „Maria, denk net d'rüber nach, es hätt' bei mir eh nix g'nutzt.“ Maria: „Des nutzt mir aber nix, a wann i mi auskennert.“
Sehr brav spielte TGKs Lieblingsschülerin, Ingrid Feichtlbauer, mit Renate Ostheimer. Renate ist eine wirklich ruhige Partnerin und wirkt auf Anfänger äusserst beruhigend. Ingrid, ehrgeizig und bemüht, mümmelte die ganze Runde gegen uns über Minus-Partien und ohnehin letzte sein, sagte dabei aber resch an und legte zeitweise ein ordentliches Gegenspiel hin. Langsam tritt sie in die Fussstapfen Ezzats, der ist Weltmeister im Unken und bringt dann gute Ergebnisse.
Heidi Haiden und Renate Rathmair hätten eigentlich recht gut gespielt, wurden aber zeitweise üppig und handelten sich dann auch gelegentlich ein Kontra ein. Wie immer, wenn Ezzat gegen Heidi spielt, ging auch heute verbales Gerangel los, welches normalerweise damit endet, dass Heidi Ezzat alles mögliche androht, heute zum Beispiel, sie würde nicht mehr mit ihm spielen. Daraufhin Renate unbeeindruckt: „Ja, ja, tuan ma weiter.“ Heidi: „Na, wirklich, wo gibt's denn so was?“ Ezzat: „In Damaskus!“
Josefa Zauner und „Don Alfredo“ Fenzl spielten unter dem Vorzeichen, dass Fredi ständig bemüht war, der schüchternen Josefa Lizite oder Ausspiele zu entlocken. Für Fredi eine ziemlich ungewohnte Situation, plant er doch schon wieder eine seiner Südamerika-Abenteuerreisen in Urwald, abbröckelnde Felsstrassen und bei Paddelausflügen mit einem Rudel befreundeter Piranhas. Wie kann er sich da vorstellen, dass jemand vor dem Handspiel zurückschreckt. Aber, wenn Josefa sich traut, bringt sie viel mehr zu Stande, als sie selbst glaubt. Vielleicht sollte man sie einmal auf so eine Reise mitschicken, Renate Ostheimer liebäugelt bereits mit dieser Möglichkeit.
Aber, Vorsicht, offensichtlich haben schon Bridge-Reisen zu derart gefährlichen Zielen stattgefunden, denn, dem Vernehmen nach soll es Spieler geben, in deren Gegenwart ein Piranha in die Nähe einer Identitätskrise käme.
© IAM, 16.07.2011
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„Zweieinhalb Tische vielleicht“
vermutete TGK für den gestrigen Spielabend und wollte in dieser Grössenordnung die Mahlzeit bereitstellen. Schließlich wird das schöne, traditionelle Turnier in Gmunden erfahrungsgemäss gut besucht und Bad Hall trug einen Spielabend des Sommerbewerbs aus. Natürlich kam wieder einmal alles anders, als man denkt. Letztlich gingen wir mit viereinhalb Tischen ins Turnier und Thomas hatte bei der Verpflegung für mindestens fünf Tische angetragen.
Der heissen Witterung Rechnung tragend, gab es köstlichen, kühlen Rindfleisch-Salat, eine Platte Mozarella und Tomaten in Kräuter- und Marinade-Begleitung und, für diejenigen, die gerne etwas „Warmes“ im Magen hätten, stand Rindsuppe mit Frittaten zur Verfügung. Die Frittaten hätten ruhig etwas mehr sein können, denn sie waren gut, aber zu früh aus.
Auf Mehliges brauchte aber trotzdem niemand zu verzichten, Greterl Luibrand verwöhnte uns kuchenmäßig diesmal mit einem- Marillen-, Apfel- Kirschen-Potpourie und die Auswahl fiel gar nicht leicht. Käse, Weintrauben, Kirschen und Radieschen mit Resch und Frisch Gebäck fanden aber immer noch ihre Abnehmer, denn trotz der müde machenden Hitze ist unser Lokal im Sommer angenehm temperiert, da schmeckt dann das Essen immer noch appetitlich.
Völlig „überraschend“, wie es Don Alfredo beim Verlesen des Ergebnisses ausdrückte, siegten Thomas Ketzl und Harald Schachner mit 67,36 %. „Mein Gott, hab'n die gegen uns gut g'spielt“, meinte Helga Manhartsberger, „furchtbar.“ Vermutlich haben Harald und Tom für dieses Ergebnis auch noch einige andere Paare das Fürchten gelehrt.
Mit 63,19 % auf dem zweiten Platz landeten Ezzat Arige und Inge Mistlberger. Eigentlich hatten wir uns selbst nichts vorzuwerfen und es war Ezzat hoch anzurechnen, dass er die Konzentration nicht verloren hat, denn, selbst wenn er gelegentlich starke Blätter in Händen hielt, so durfte er doch nur ein einziges Mal die Hand spielen. Auf meine dahingehende Bemerkung meinte er nur: „Ich spiele ja, aber gegen.“ Und das hat er sehr gut getan. Man(n) ist halt sehr hart gegen sich (und andere), in Damaskus.
Den dritten Platz, mit 55,56 %, eroberten Renate Rathmair und Marena Schattenberg. „Eich zwa hab'n mir no braucht“, sagte Renate, als wir von ihrem Tisch weg gingen, dabei waren wir freundlich und nett, wie es sich für Bridgespieler gehört, nur Ezzat konzentrierte sich eben auf das Gegenspiel. „Warum, lasst den Dei Partnerin spün?“ sagte Renate, als Ezzat sein starkes Blatt wieder einmal auf den Tisch legte, „bei euch hab'n doch die Frauen nix z' red'n?“ Ezzat: „Zu Reden haben sie nichts, aber spielen dürfen sie.“ Marena: „Aber net in Damaskus.“
Sehr zufrieden mit 52,08 % und dem vierten Platz waren Elfriede Hochgatterer und Helga Manhartsberger. „Ich kann trotz meinen siebzehn Punkten gar nix sagen“, meinte Helga, nachdem sie Ezzats Drei Pik-Lizit (15 Punkte) knallhart abgepasst hatte und Ezzat drei Mal, aber ohne Kontra, gefallen war. Ein Top für Elfriede und Helga. Gestartet hatte nämlich Elfriede, mit Herz As, Dame zu siebt, also sechs Punkten, mit Stopp Drei Herz. Helga, ausgestattet mit vier Blatt Pik, dafür ohne Herzkarte, hatte sehr gut daran getan, nicht zu kontrieren, denn ich hatte nur zwei Punkte, aber die waren auf Herz Dame zu viert.
„Ich wär' auf vier Herz g'angen, wenn'st kontriert hättst“, sagte Elfriede, „mit mein single Pik.“ Man kann sich halt auf nichts mehr verlassen, denn offensichtlich hatten die übrigen Spieler diese Zurückhaltung nicht geübt und waren an Drei Ohne kläglich gescheitert.
Der fünfte Platz, mit 51,19 %, fiel auf Ulrike Miller und Gerda Neuhauser. Die beiden hielten sich immer schön mittig, manchmal dürfte allerdings die Verständigung nicht so ganz geklappt haben, was sie aber mit stoischer Ruhe weg steckten. „Wenn ich euch so zuschau“, sagte Uli, nachdem sie sich zu uns an den Speisetisch gesetzt hatte, „muas ich mich ärgern, dass ich um Fünfe schon was g'essen hab'.“ Ja, ein kleines Platzerl sollte man sich im Magen immer freihalten, wenn man zu uns spielen kommt.
Auf den sechsten Platz kamen Maria Grubhofer und Fredi Fenzl. Auch hier dürfte es gewisse Verständigungsschwierigkeiten gegeben haben, die aber nicht immer spielerischer Natur waren. Fredi: „Du herst ma net zua.“ Schweigen. Fredi noch einmal: „Du herst mi net?“ (Schweigen). Fredi wieder: „Herst mi Du?“ Maria (kauend): „Ja, der Kuchen is' guat.“ Fredi: „Na, du herst ma net zua!“ Maria: „Ja, weil backen tua i selber net.“
Diesen Diskurs sollte man sich vor Augen halten, auch wenn man glaubt, man hätte die uneingeschränkte Aufmerksamkeit seines Gegenübers.
Greterl Luibrand und Wolfgang Roth auf Platz sechs hatten ein ähnlich gelagertes Problem, aber es lag nicht daran, dass Greterl ihm nicht zuhörte und auch nicht durch Essen abgelenkt war. Sie wollte vielleicht auch so, wie er es wollte, aber zeitweise wusste sie eben nicht, wie er bzw. das System es wollte, und boshafter Weise war dann auch noch die Blattbewertung vordergründig geworden. Und so kam es gelegentlich zu folgender Passage: „Aber, i muas do da was sag'n.“ Wolfgang: „Ja, aber des net.“ Da stellte sich nun wirklich die Frage: Woher sollte frau eigentlich wissen, was denn ein männliches Wesen zu welcher Zeit hören (oder hier eher sehen) will?
Rudi Harasek und Renate Ostheimer, eine erstmalige Partnerschaft, kamen recht gut miteinander aus und waren im Ergebnis gar nicht schlecht. Hier gelangte natürlich zum Tragen, dass Renate jede Menge Konventionen spielt, die Rudi nicht kennt. Also war Renates Standardfeststellung: „Na wart', des spüst Du ja net“ und damit warf sich die Frage auf: Wie sag ich's meinem Rudi?
Aber Rudi verstand auch weniger komplizierte Ansagen, so dass dann auch ein gedeihliches Spiel gesichert war.
Ingrid Feichtlbauer und Günter Reder, gestern das einzige Anfängerpaar unter lauter langjährigen Spielern, hatten einige wirklich gute Partien, die ala long natürlich das Gesamtbild nicht prägen konnten. Aber, die Ansätze waren gut und das erfreulichste an den beiden ist, neben ihrer Ernsthaftigkeit, etwas zu lernen, ihr Humor und ihre freundliche Tischpräsenz.
Eine wunderbare Vision: Nett gekleidete Menschen mit höflichen Manieren sitzen am grünen Tisch und versuchen möglichst viele Stiche zu machen, während die nett gekleideten, höflichen Gegenspieler versuchen, sie daran zu hindern.
© IAM, 14.07.2011
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„Also des Reh, durch, aber zart, weich und rosa,
das beste was i bisher vom Grill g'essen hab", bewunderte Renate Ostheimer immer wieder unseren gestrigen „Grill-Meister“ (ein lieber Freund von TGK), „der Andreas ist einfach grossartig“, und alle stimmten ihr zu. Wir haben nämlich gestern mit Glanz und Gloria unseren Bridge-Gartenbetrieb eröffnet und demgemäss mit Rohmaterialien für unseren Grill nicht gespart. Rehschlögl, Schopf, Spareribs, Rindsschnitzerl, Pflaumen, Zuchini und (von Andreas listig noch in der Hinterhand gehalten) Riesengarnelen liefen durch die begnadeten Hände Andis, sodass niemand mit dem Schmausen aufhören wollte, bis alles aufgegessen war, wodurch sich der Spielbeginn etwas verzögerte und TGK gegen fünfzehn Uhr brutal die Völlerei abbrechen musste. Schliesslich handelte es sich um unseren wöchentlich zweiten Spieltag und nicht eine römische Orgie mit Pfauenfeder-Einsatz. Andis Köstlichkeiten wurden begleitet von TGKs (natürlich selbst erzeugtem) Erdäpfel- bzw. Tomatensalat, ein phantastischer Mayonaise-Salat von Inge Koch (biologisch leichte Küche) und einer Menge Anti Pasta-Schälchen zur Auswahl.
Ketchup lieferte die, für TGKs Pflanzereien immer wieder sehr anfällige, Renate Ostheimer, denn er hatte ihr geantwortet, Ketchup gäbe es zum Grill nicht, denn dies wäre der Gipfelpunkt schlechten Geschmacks. Na, gut. Renate, störrisch, erwarb sich eine grosse Flasche ihres Gustos, präsentierte sie stolz beim Essen, hatte sie aber kaum für sich, denn jederman bediente sich daraus und so war Renate ständig auf der Jagd für den Eigengebrauch. Aus unserem Kühlschrank grinste allerdings eine Riesenflasche der roten Sosse, wenn man ihn öffnete.
Lebhaften Zuspruch fand auch anschließend wieder TGKs mürber Nussstrudel, optisch kaum erkennbar, da der berühmt berüchtigte Ketzl-Riss diesmal nicht die Kruste an der Seite zierte, sondern in Form einer niedlichen Delle an der Oberseite figurierte. Nicht eingeweihte vermochten dies unter der Zuckerschicht kaum zu bemerken. Egal, der Strudel war gut wie immer.
Die Käseplatte mussten wir der Not (Hitze) gehorchend im Kühlschrank deponieren, sie blieb unberührt, niemand konnte mehr auch nur einen Bissen zu sich nehmen. An Getränken leisteten wir uns alles was kühlt, von unserer Riesenauswahl an handfestem Bier, über Alkoholfreies bis zum Franciacorta.
Leider fiel, so richtig als Vorführeffekt, der Swimmingpool punktgenau aus, dies hat uns zwar am Baden gehindert, aber die Hunde beissen letzten Endes unseren Doyen „Don Alfredo“ er wird sich die Reparatur „erstreiten“ müssen.
Sonnenbeschirmt und mit Boardzetteln ausgerüstet, traten wir dann zum Turnier an, die Bridge-Mates, die dank der Behandlung durch die zwar nicht himmlischen, sondern irdischen „Engel“ jetzt ausgezeichnet funktionieren, verhielten sich im freien Raum äusserst zickenhaft. In nur meterweisen Entfernungen gingen sie in Betrieb, oder nicht, ohne erkennbaren Grund.
Vorher verabschiedeten wir aber noch Andreas, der uns so meisterhaft versorgte, mit donnerndem Applaus, möge er uns gewogen bleiben für weitere Male.
Unbesiegbar, auch bei Hitze (unlustig für Michi) und mit vollem Magen, präsentierten sich wieder Michi Wufka und Harry Handlechner. 69,33 % sicherten ihnen den ersten Platz auf O/W und in der Gesamtwertung. Erstmalig hat gestern Harry aus den Nähkästchen geplaudert und ließ durchblicken, wie es möglich sei, dass die beiden ihre Leistungen immer wieder optimieren können. Von Natur aus bereits harmoniesüchtig, fand er eine weitere Intensivierung dieses Zustandes: „Wir schimpfen nimmer mit einander, mir schreib'n s jetzt auf.“ Sollte das ganze einmal in gebundener Form erscheinen, wäre vielleicht „Symphonie des Zorns“ ein kaufkräftiger Titel und sollte Pflichtlektüre im Anfängerkurs sein. Da der sich so gut damit identifizieren kann, der bis zum ersten Spiel mit einem Partner gelangt ist, wäre der Einstieg über den menschlichen Faktor in die schwierige Materie vermutlich wesentlich animierender.
Erste auf N/S, mit 62,50 %, und zweite in der Gesamtwertung waren dann Erika Kasbauer und Thomas Ketzl. Die beiden hatten keine Probleme, bis auf gelegentliche Uneinigkeiten im Lizit. „Na, des derfst net sag'n.“ Erika: „Sag' i aber immer!“ TGK : „Jetzt nimma.“ Erika: „Ja“ Thomas: „Na“ Erika: „Aber“, TGK: „Des is geklärt, weil mir spün ja öfter mit einander.“ Erika: „Ah, ja.“ Da braucht keiner mehr etwas aufzuschreiben.
Zweite auf N/S und an dritter Stelle insgesamt lagen Maria Grubhofer und Fakhreddin Beheshti, mit 56,67 %. Besonders hervorgehoben muss hier werden, dass es Maria gesundheitlich ganz schlecht ging, auch sie verträgt die Hitze sehr schlecht, also eine wirklich beachtliche Leistung.
Mit 50,83 % wurden Renate Ostheimer und Inge Koch dritte auf N/S und über den Saal vierte. Eine völlig neue Partnerschaft, die sich sehr gut anliess. Inge, gerne etwas „lüpfig“ im Lizit, wenn sie etwas Material sieht, war in ihrem Element. „I kriag ja heut net g'schimpft“, freute sie sich und ab ging die Post. Renate, hoch zufrieden, bereits wenn es nur heiss ist und die Sonne scheint und auch sonst friedlicher Natur, nickte nur und schrieb zufrieden die guten Ergebnisse ein, die Inges Lizit einbrachte, denn leider, glückten ihr die Spässchen. „Eh klar, in der Ersten lizitier i a immer an Hodern“, meinte Renate gemütlich. Ich: „Mit mir machst des aber net.“ Renate: „Dann halt nimmer.“ Sollte das in den vielen Jahren, in denen wir doch oft Partner waren, noch nie zum Tragen gekommen sein? Ich darf nicht vergessen, dass ich ihr vor dem Turnier in Bad Hall Tod und Teufel androhe.
Knapp dahinter, und als fünfte über den Saal, lagen Marena Schattenberg und Heidi Stöger. Hätte Heidi vielleicht etwas mehr auf Asse oder Damen geachtet und weniger an Buben gedacht, hätten sie die kleine Distanz locker überwinden können. Und so kam es dann so weit, dass Heidi auf die Behauptung, eine der Spielerinnen liefe nur den Punkten nach, antwortete: „Geh, die ist doch eh verheiratet.“ Nach der Feststellung, dass dies leider keine Punkte einbrächte, klärte sich die so Sache auf: angeblich hatte sie verstanden, besagte liefe den Buben nach. Mag ja sein, aber, wenn Heidi glaubt, verheiratet zu sein macht automatisch die Buben uninteressant, da sollte sie Augen und Öhrchen besser aufspreizen, es soll ja auch umgekehrt des öfteren so funktionieren. „Ja“, meinte Marena, „das ist ein weites Feld."
Sehr gut gespielt und Platz sechs über den Saal erreicht haben Rudi Harasek und Fritz Schmid. Fritz erinnerte mich gestern in seiner Super-Sommer-Panier an Graf Berge von Trips, ganz in Weiss, Kappl, alles da, und er brauchte auch keinen fahrbaren Untersatz, er war ja zu Fuss ziemlich umtriebig. Der äusserst konzentrierte Rudi hielt die Stellung und bewies das eindeutig bessere Sitzfleisch.
Siebte über den Saal war Riki Komar mit mir, wozu mir eigentlich die Erklärung fehlt. Wir haben laufend immer einen Stich mehr gemacht, als die übrigen, und einige völlig unsinnige Kontrakte, die gegen uns gespielt wurden, mussten ein Top bleiben, sie konnten nicht überboten werden. Da der Nachmittag aber so schön, die Grillage so gut, meine Partnerin so nett (natürlich auch die anderen Spieler) und das Fest so gelungen war, hat es mich nicht einmal ansatzweise interessiert, der Sache auf den Grund zu gehen. Die Arbeit hat sich gelohnt, wir werden das Fest wiederholen.
Man kann eine Sache auch zu Tode reden! So heisst es doch? Genau dies dürfte Don Alfredo und Schmetterling (wieder in zartestem Gelb) Helmut Koch widerfahren sein. Im Schweise ihres Angesichts mühten sie sich um die Auffrischung des Systems, welches sie in letzter Zeit ohnehin mindestens dreimal gespielt hatten. Wo der Hund gestern begraben lag, wussten sie vermutlich selbst nicht wirklich.
Dass Fredi, der uns ja all die Annehmlichkeiten zur Verfügung stellt, gestern überhaupt noch einsatzfähig war ist ohnehin kaum zu glauben. Die körperlich schwersten Arbeiten, wie Herumschleppen der riesigen Sonnenschirme und der äusserst massiven Granitständer, besorgte er nämlich im Alleingang.
Josefa Zauner und, der netter Weise blitzartig eingesprungene Helmut Vegette, waren ein ausgesprochen unterhaltsames Paar. Helmut, zwar ohnehin nie auf den Mund gefallen, ließ den Humor sprühen und war für Josefa ein wirklich guter und einfühlsamer Partner. Sie ist ja eine, ein (eher viel) wenig zaghafte Spielerin, ob aus Ehrgeiz oder Furcht vor einem Schimpfer habe ich noch nicht herausgefunden, und Helmut hat sie so richtig aus der Reserve gelockt. „Beschreib' dein Blatt, wanns geht ist es Recht, wenn nicht, gehts nirgends, und wenn doch, was macht des?“ Sie folgte seinem Rat und siehe da, gegen uns ging's, und wie.
Fazit: Nicht verzagen, man muss nur wagen. (Aber net mit an Hodern in der Ersten, sonst wia i narrisch!)
© IAM, 10.07.2011
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Helmpflicht beim Bridge-Turnier?
Offiziell nein, faktisch für Inge Koch und mich gestern: unbedingt. Natürlich wollte uns niemand tätlich die Köpfe einschlagen, Gefahr für Leib (Leben eher weniger) und mentale Spannkraft besteht beim Club höchstens im schmeichelnden Angebot zur überhöhten Nahrungsaufnahme, aber das, was uns beide gestern durch unregelmässige fremde Ergebnisse auf den Kopf gefallen ist, ließe jeden Spieler schmerzlich die Schultern aufziehen. Gegner: „Entschuldige, ich hätte unter keinen Umständen passen dürfen.“ „Niemals, ich habe sechzehn Punkte.“ „Tut mir wirklich leid.“ Top für den Gegner, die anderen haben die Manche angesagt und sind gefallen, oder: Der Saal sagt Slam an, fällt einmal, unsere Gegner spielen zwei Pik, machen zehn Stiche und haben den Top. Oft genug dürfte der Respekt vor der starken Angelo KG (Georg und Christian Engl) bei einigen Spielern eine Lizitsperre ausgelöst haben und unser Ergebnis war dann solidarisch dementsprechend, oder, wenn wir eine besonders knifflige Partie nach Hause brachten, war mindestens ein Gegner schon wesentlich höher gefallen. Was kann man da tun? Man beruhigt seine Seele über den Magen.
Wenn er nicht schon voll ist. In Betracht kamen also: Wiener Schnitzerl mit Preiselbeeren, Reis, Butterkartofferln, made by TGK und, und ein besonders gelungener, grüner Salat, gewaschen, gezupft und auf's beste mariniert von Renate Ostheimer. Sie nahm die Ovationen am Tisch dann mit leichtem Hochmut zur Kenntnis. Greterl Luibrands Marillenkuchen war ein Kracher, wie immer, und Renate Ostheimer, die eine schwache Esserin ist, brachte vorweg schnell ein Stück für später in Sicherheit und hat gut daran getan. Man konnte sich aber den Tag noch durch Erdbeeren mit Zucker und Schlagobers sowie saftigen Herzkirschen versüssen. Wer es lieber säuerlich haben wollte, bediente sich der Kochschen Stachelbeeren. Trotzdem fanden die Käsesorten (gestern besonders die blauädrigen) mit Butter, Weintrauben und Resch und Frisch-Gebäck ihre dankbaren Anhänger.
Gespielt haben wir dann unter erfreulich geänderten Vorzeichen. Um siebzehn Uhr dreissig erschien, freundlicher Weise und vereinbart, Georg Engl und nahm sich unserer computertechnischen Einrichtung für den Turnierbetrieb an. Es gab da schon einige Hürden zu überwinden bis alle Knoten durchschlagen waren, Ordnung in das System und alle Nebennischen kam und, last but not least, wir jetzt endlich auf dem Bridge-Mate auch den Angriff sehen können, denn das exculpiert oft so manchen „gefallenen“ Handspieler. Auch Computerfachmann Christian Engl kam zeitig angereist und so sind wir, wenn sie uns auch spielerisch in die Pfanne gehauen haben, von rücksichtsloser Dankbarkeit für die beiden.
Wie es bereits ziemlich offenbar geworden ist, haben Christian und Georg das Turnier mit 64,29 %, gewonnen. Was soll man da noch sagen, die beiden waren auch (ausser uns selbst natürlich) in der OÖ. Vereins-Teammeisterschaft maßgeblich an unserem Verlust in der letzen Runde beteiligt und haben den BC Vöcklabruck damit auf dem zweiten Platz verankert.
Mit einigem Abstand, nämlich mit 59,82 %, setzten sich Gerda Neuhauser und Harald Schachner auf den zweiten Platz. Sie waren, wie immer, das ruhigste und kontinuierlichste Paar des Abends.
Greterl Luibrand und Wolfgang Roth belegten mit 54,91 % die dritte Position. Abgesehen davon, dass Inge und ich uns selbst zwei Mal sehr „mildtätig“ gegen die beiden verhalten haben, hat uns Greterl ein dickes Ei gelegt, sie hatte trotz gesattelten Materials einfach keinen Bock mehr auf die Weiterführung des Lizits. Das hat ihnen das allgemeine „minus eins“ erspart und uns eine Null-Partie eingebracht. Ob ich noch weiterhin ihre Mehlspeisen essen werde, steht in Frage.
Maria Grubhofer und Renate Ostheimer landeten mit 52,23 % an vierter Stelle, führten aber eine Reihe von Debatten. Mit einander, gegen einander und mit oder gegen den Gegner. Grubi: „Warum belehrst denn den Gegner, hoi die Turnierleitung“ Renate: „I sag nix, wann ma mi net versteht, sag i nix.“ Grubi: „Die Turnierleitung.“ Renate: „Nix, warum hätt' i da was sag'n solln, da red i gar nix.“
Bei dem Paar, bei dem Renate einfach nichts gesagt haben wollte, handelte es sich um unsere „Wüstensöhne" Ezzat Arige und Fakhreddin Beheshti, was zwar einigermassen glaubhaft wäre, da „bei uns in Damaskus“ die Frauen nichts zu reden haben, aber, wenn es so gewesen sein sollte, wie Renate behauptete, dürften Fa und Ezzat im Alleingang und zeitweise im Falsett gesprochen haben, dann ich hätte darauf geschworen, dass hier eine eher lautstarke, gemischte Diskussion im Gange gewesen wäre.
Genau 50 % und damit Platz fünf, erreichten Ingrid Feichtlbauer und Fredi Fenzl. Als wir an ihren Tisch kamen, war Ingrid bereits auf nervlicher Gratwanderung. Thomas Ketzl, zu dessen Lieblingsschülern sie zählt, fungierte als nichtspielender Springer und beschäftigte sich so hin und wieder damit, seinen Sessel neben Ingrid zu placieren und ein Auge auf ihr Spiel zu haben. „Ah, des is grausam, i was überhaupt nix mehr, na i bin völlig leer.“ Den auslösenden Anlass zu Ingrids Amnesie gab die „eine Karo“-Erstansage Fredis und das darauffolgende „Pass“ des Gegners. „Sag i des, is nix, gestern hab i mit'n Roland gspüt, da hat er g'schimpft mit mir, und wia, jetzt sitzt der Thomas hinter mir". Sie griff zur Bidding-Box. Thomas: „Denk guat nach.“ Ingrid: „Aus, i was nix mehr.“ Nachdem sie aber noch wusste, dass sie am Bridge-Tisch sass und wie es dazu kam, kann von retrograder Amnesie wohl nicht die Rede sein, vielmehr ist zu vermuten, dass die Traumata Ingrids Roland und Thomas heissen, zwei begnadete „Wassermänner“ im Schaffen traumatisierener Situationen für ihre Schützlinge (und Partner), aber ohne Zweifel immer mit den besten Absichten. Ernst, aber in Liebe! Fredi blickte meist kryptisch gegen den Plafond und gab gelegentliche Lebenszeichen (ausnahmsweise tonlos) von sich, in dem er sich steil aufrichtete, bescheidene Akustik der Gegner unterbrach er rüde. Aus der Zwickmühle geholt wurde Ingrid dann von uns, wir verwiesen den Kiebitz einfach des Tisches. Sie revanchierte sich dafür, in dem sie sich in dieser Partie einen Top holte.
Der sechste Platz für Inge Koch und mich kann beinahe noch als Luxus bezeichnet werden, wenn man unser Unglück dezitiert Revue passieren lässt.
Helmut Koch und Adi Korista kämpften nicht nur an der Fronst feindlicher Tische, auch im eigenen Gebälk nistete gelegentlich der Wurm. Insbesondere sass er in der positiven Antwort nach einem Zwei Treff-Start, konnte aber nicht wirklich ausgemerzt werden.
Marena Schattenberg und Heidi Haiden gingen ebenfalls nicht ganz konform, besonders nicht, was die Kopfhaltung anbelangte. „Des Kopfschütteln vertrag i net“, sagte Heidi zu Marena, „Ach“, meinte Marena, „des tua i do gar net.“ „Doch, wenn dir irgend was net passt.“ Marena: „Mein Gott, i hab halt's Reissen.“
Unsere lieben Steyrer Freunde, Rudi Brandner und Gustav Stieglitz haben sich wieder einmal als echte Kavaliere erwiesen. Sie spendeten den anwesenden Damen ihren vortägigen „süssen Gewinn.“ Da er auf einen Teller am Buffet ausgebreitet keine Viertelstunde überlebte, muss angenommen werden, dass auch einige Herren sich in sehr „dämlicher“ Stimmung befunden hatten, offensichtlich kämpft der Mann von heute nicht nur bei der „Witwerpension“ um Gleichberechtigung.
Ezzat Arige und Fa Beheshti konnten ihre gewohnte Form nicht finden und schon gar nicht das Verständnis von Renate Ostheimer. Aber vor ihr würde selbst Mohammed samt Koran und Kamelen fliehen, wenn sie, sozusagen eine Art Wüstensturm, auf irgend etwas erkannt hat. Daher sollten sich auch Ezzat und Fakhreddin hier nicht unbedingt wehleidig zeigen, bleibt ihnen doch ausgleichend immer noch das wohlige Gefühl beim Entlüften der Geldspeicher.
Lisi Lampl, durch anhaltende, übergreifende Störungen in verschiedenen Körperregionen und daraus folgender Bettruhe, geschwächt, genoss bei wieder gewonnener Gesundheit den Abend mit Heidi Stöger. „Ah, geh“ meinte sie, „jetzt hab' i schon wieder falsch lizitiert, manchmal mach i Fehler, als hätt' i noch nie g'spüt.“ Wer derartige Einsichten hat, ist auf dem richtigen Weg, wer aber von sich behauptet, er hätte manchmal gespielt und nie Fehler gemacht, der ist hochgradig suspekt.
© IAM, 07.07.2011
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„Bitte, nicht, alles Zusätzliche macht dick!“
Diese unangenehme, aber leider realistische Feststellung Heidi Müllers bezog sich diesmal ausnahmsweise auf ihr unglückliches kleines Hündchen Lisa, das freudig aus dem Auto gesprungen war, blitzschnell den Club geentert, genüsslich den nun schon vertrauten köstlichen Duft unserer Küche geschnuppert hatte und nun grausam enttäuscht wurde, es durfte nicht mit naschen. Heidis Begründung, Lisa eine schmerzliche Fastenkur (der Gesundheit wegen) ersparen zu wollen, dürfte vermutlich auch noch einen Hintergedanken bergen, nämlich: „Wie der Herr so der Hund“, und so stellt sich Heidis superschlanke Linie zwischen Lisa und eine Welt des Genusses, nur, Lisa interessiert halt ein Slam nicht die Bohne, aber ein Stückchen Braten, das wäre schon den Besuch der Denkfabrik wert.
Da ist man wahrhaft froh, kein Hund zu sein und sich den Spielnachmittag oder -abend durch Köstlichkeiten für den Gaumen verschönern zu dürfen, man hat ja schließlich auch einen Ruf zu verteidigen, wenn man gelegentlich bereits freundlich als „Essfabrik“ beworben wird. Da kann man nur versichern: Wir bemühen uns weiter!
Ausserdem sind wir ohnehin alle von (mehr oder weniger) anmutiger Gestalt und so haben wir gestern TGKs Spätzle-Schinkenauflauf mit Schwammerln und panonischem Tomaten- und „Koch'schem“ Ruccola-Salat sehr genossen, sowie seinen speziellen Nuss/Honig-Strudel mit dem typischen Ketzl-Riss an der Seite, den man mit Zucker kaschieren könnte, sollte man ihn fotografieren wollen (Erika Kasbauer hat uns gestern allerdings eine garantiert „rissfeste“ Glas-Gugelhupfform geschenkt, vertrauen wir also auf die Zukunft). Nebst Käse, Weintrauben und Kirschen stand auch noch eine grosse Schüssel grüner Stachelbeeren von Helmut Kochs Garten ins Haus, die einen angenehm säuerlichen Geschmack (Inge Koch: „Die zwa Stöck' grab i aus, de schmeiss i weg“, Don Alfredo: „Na, gibs' mir“) zwischen die „Dolces“ brachten.
Sehr gefreut haben wir uns an diesem Nachmittag, dass (eine meiner längst jährigen Bridge-Freundinnen) Trude Lang ihr Debüt in unserem Club gab. Mit der ihr eigenen Tatkraft kam, sah und siegte sie. Inge Koch (lieferte uns zum Trost wiederum einen Sack Küchenkräuter) und Trude siegten mit 62,35 % und hatten trotzdem nebenbei noch die Kraft, umtriebig zur allgemeinen Unterhaltung beizutragen.
Erika Kasbauer und Inge Mistlberger fanden sich mit 58,56 % auf dem zweiten Platz ein. Es lief eigentlich kaum etwas schief, ein einmaliger Höhenrausch von mir und ein wenig Misstrauen Erikas (auffallend braun gebrannt durch Dauer-Entspannung am See) in mein Lizit im Gegenspiel, dürften als eher lässliche Sünden bezeichnet werden, könnten aber für das Ergebnis entscheidend gewesen sein.
Mit 57,14 % an dritter Stelle lag unsere geistliche Prominenz, Pater Ferdinand und Pater Petrus aus Kremsmünster. Dass Pater Ferdinand uns vorzüglich diesen Nachmittag widmete, lag wohl daran, dass die Häuser Kinsky und Grimaldi nicht in der selben „Liga“ figurieren, so hoch könnten die Felsen von Monaco gar nicht aufsteigen, sah man doch Pater Ferdinand im Fernsehen sogar als Brautredner einer Hochzeit der „Oberen Tausend“. Da sind Hochzeiten der „Oberen Zehntausend“ wohl eher vernachlässigbar (zustimmendes Zwinkern unseres Hochadeligen) und so zog er sichtlich das anspruchsvolle Bridge-Spiel mit dem gesunden Bürgertum vor. Gelegentlich machte aber auch das „Volk“ Punkte und der spielerische Hochadel, Pater Petrus, begab sich dann zwischendurch zu den Stachelbeeren, denn, sauer macht lustig und lustig gelaunt war er den ganzen Nachmittag über. „Ich hol' mir noch schnell a paar Stachelbeern“, meinte er einige Male so zwischendurch. Meinen gut gemeinten Rat: „Nimm Dir's gleich im Schalerl, Du wirst es noch brauchen“, befolgte er zwar nicht, ging aber sonst mit mir konform.
Knapp dahinter, mit 56,71 %, besetzten den vierten Platz Riki Komar und Rudi Trauner. Riki, extra aus ihrer Latifundie am Attersee angereist, war Rudi eine gute Partnerin, nur einmal, da haperte es anscheinend mit der Blattbeschreibung. „Du hast das Blatt so beschrieben“, war Rudi zu vernehmen, bevor ihm offensichtlich die Luft ausging und er sich in sein Schicksal und das Handspiel fügte.
Heidi Müller, mit einem Auge immer auf Lisa schielend (nichts fressen und nicht herinnen „hinausgehen“) und Paola Schatzlmayr kamen mit 53,94 % auf den fünften Platz, hatten aber einige Prozente nicht durch schlechtes Spiel, sondern durch ein falsch aufgelegtes Board verloren. Dabei hätte Paola diese Partie nicht nur fabelhaft angesagt, sondern auch so gespielt.
51,39 %, erkämpft nach einem Protest (der Computer hatte eine Berichtigung zu ihren Gunsten nicht angenommen) und damit Platz sechs, erreichten Helmut Koch und Adi Korista. Ganz einig waren sie sich im Spiel nicht immer, aber ihre Bereitschaft, sich in der Pause mit Würfel-Poker zu beschäftigen scheiterte dann gänzlich, da Adi nur die Variante mit sechs Würfeln, Helmut aber mit fünf kannte und da war auch der kiebitzende Non playing-Koch Thomas Ketzl ratlos. Aber auch unter Erklärungen vergeht Zeit und Pause, ob allerdings nachher Thomas wenigstens den vollen Durchblick hatte, bleibt zweifelhaft.
Maria „Grubi“ Grubhofer und Alfred Fenzl hatten nur seltene Momente spielerischer Harmonie und kamen auf Platz sechs. „Wo is er denn schon wieder?“ fragte Maria ein um's andere Mal, denn Fredi hatte gestern kein Sitzfleisch. Natürlich waren dann auch zwischendurch seine Gegner daran schuld, aber es dürfte alles nicht viel geschadet haben, denn selbst wenn sie gemeinsam am Tisch saßen, waren sie meistens nicht richtig beisammen.
Der achte Platz kam auf Heidi Haiden und Marena Schattenberg. „Na“, sagte Heidi, „heit bringen ma nix durch.“ Sie ließen sich die Laune aber nicht verderben, Marena hielt uns einen fachfraulichen Vortrag mit anschließender Diskussion über medizinische „Dickmacher“ und so zwischendurch mischten sich die beiden, beispielsweise gegen Erika und mich, auch mit weniger Material kräftig in's Lizit ein. Wenn Heidi etwas anpackt, und sie sieht alles, tut sie es gründlich, ob es sich dabei um die Karten oder sonstiges handelt. Ein triftiger Grund, warum ich sie immer so gerne in die Küche lotse, wenn Thomas kocht. Sie hält ihm (und uns anderen braven Helferlein) für alles den Rücken frei, ein vorbildliches Mitglied.
Josefa Zauner und Fritz Schmid harmonierten voraussehbar nicht so gut wie Fritz und Lisl, die jetzt schon sehr gut zusammen gespielt sind, die meisten Verluste dürften sie aber im Gegenspiel gehabt haben. Es sei ihnen (und jedem Bridgespieler) aber zum Troste ein (hier zugegebener Maßen etwas zwiespältiger) nobler Gedanke vermittelt: Den Gebenden schmückt, was den Empfangenden entzückt. (Al-Hariri)
© IAM, 03.07.2011
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Die Kirschen aus Nachbars Garten....
Na, ja. Unsere Kirschen waren zwar aus Nachbar Hofers Markt, aber so unendlich gut, dass drei Körbchen davon blitzartig aufgegessen waren. „I kann gar net aufhör'n“ war der Tenor. Daraufhin plante nun TGK für nächsten Samstag bereits eine seiner Kirschen-Spezialitäten, was allerdings nicht heissen soll, dass wir heute auf Rohkost gesetzt worden wären. Thomas hatte bereits seit zwei Tagen seine heimische Küche zum Schlachtfeld gemacht und ein Schulterscherzl in Majoran-Rahmsosse vom feinsten erzeugt. Dazu gab es selbst gemachte Gnoggis und frische Petersil-Kartoffel nebst Ruccola-Salat. Alles perfekt, nur „Grubi“ Grubhofer schüttete sich Pfeffer nach, leider war hier nomen nicht omen, denn sie lizitierte diesen Abend nicht mit jener Schärfe, die der Masse aus dem Streuer entsprochen hätte, nein, unsere Gegner empfanden uns eher als wohltuend milde.
Weniger mild gingen „K. u. K“, Helmut Koch und „TGK“ Ketzl, mit ihren Gegnern um und wurden dafür mit 63,89 % und dem ersten Platz belohnt. „Was spün ma denn“ fragte Helmut: „Jacoby, Michels, oder was?„ „Bleim ma ganz einfach, wir denken uns halt was dabei“, meinte Tom. Und sie machten ernst. Der „einfache“ Helmut lizitierte unnachgiebig und es gelang ihm gegen uns, einen unmachbaren Kontrakt zu erfüllen. „Spün ma des so?“ fragte er scheinheilig seinen Partner und gab sich, wie meistens, den Anschein eines Täubchens. Aber wie schrieb schon Vicki Baum: „Vor Rehen wird gewarnt“. Vor Helmut, bitte, auch.
Auf dem zweiten Platz, kamen weitere K und Ks, Inge Koch und Adi Korista. Zu behaupten, sie seien ein Herz und eine Seele gewesen, wäre eine schamlose Übertreibung, aber, in den wichtigen Passagen dürften sie zu einander gefunden haben, denn 60,42 % spielen sich schließlich nicht von alleine. Da uns Inge wieder einen Sack voller Küchenkräuter mitgebracht hat, stehe ich natürlich voll auf ihrer Seite, das muss Adi wohl einsehen, auch wenn er heute im perfekten Landlord-Look aufgetrickst ist.
Die dritten, Erika Kasbauer und Renate Ostheimer, würden ihre 52,78 % noch wesentlich gesteigert haben, hätten sie zur rechten Zeit das Kontra-Kärtchen gefunden. Künstlerpech, ihre „sechs Pik“ wurden dann unschöner Weise im Kontra zu minus Achthundert. Gefolgt war dieses Desaster aber gleich von mehreren Erfolgen der beiden und somit konnten sowohl Erika das Wochenende in ihrem Haus am See und Renate ihr momentanes Stroh-Witwentum ausführlich besprechen.
In beruhigter Atmosphäre erspielten Maria „Grubi“ Grubhofer und ich mit 51,79 % den vierten Platz, nur gelegentlich durchbrochen von Marias: „Des Umanaund-Keppeln, des kann i net leiden“. Mea maxima culpa!
Fünfte, mit 50,69 %, wurden unsere „Wüstensöhne“ Ezzat Arige und Fakhreddin 'Bheshti. „Wieso Wüstensöhne?“, fragte Günter Reder. Grubi: „Na, aus Syrien und Teheran“, Günter: „Ah, wirklich?“ Sieht man ihnen ja auch nicht an, sag' ich mal. Sind auch sehr bibelfest die Jungs, zumindest Ezzat. Als er den Raum verließ, stieß er mit dem Finger zurück in Richtung Marena, die noch am Tisch saß: „Und das gehört sich auch so!“
„Oh, je“, dachte ich, „ein ernstlicher Streit.“ Marena, überrascht: „Was?“ Ezzat: „Ihr seid's schließlich aus einer Rippe von uns gemacht, ein Wahnsinn, wenn wir statt dessen an Finger hergegeben hätten.“ Igitt, hat Ezzat als Dr. iur. vielleicht inzwischen vergessen, welche Auffassung Dr. gyn. von der Fortpflanzung des Menschen hatte? Egal, Marena brauchte jetzt eindeutig Schützenhilfe und so musste ich die einzig logische conclusio ziehen: Gott hat das beste weggenommen und was blieb, ist der Mann. Ezzat unbeeindruckt: „Es hätte auch der Finger sein können, na, so was.“ Bei seiner Vermögenslage muss er trotzdem einmal einer lebensnäheren Betrachtung gehuldigt haben. Fakhreddin, heute als Kassier noch umtriebiger als sonst, „Wer hat no net zahlt, es fehlt noch was, na, na, eigentlich ist es zuviel, Fredi, spielt jemand nicht?“ und feierlich gewandet, verließ er uns ziemlich fluchtartig wegen seiner erwarteten Gäste, und begibt sich dann nächste Woche auf Bridgereise.
Knapp dahinter, Marena Schattenberg und Fredi Fenzl, auf dem sechsten Platz dürften das Match erst gegen Ezzat und Fakur verloren haben, zumindest war es der Diskussion so zu entnehmen. Vor dem Turnier entzog sich „Don Alfredo“ jeglicher Absprache: „Jetzt iss i a Mal was“, setzte sich an den Tisch und genoss prophylaktisch für den weiteren Nachmittag und Marena stärkte sich, zwar noch unbewusst, für den Diskurs mit Ezzat in einem Rechts-Problem einer österreichischen Frau mit ihrem syrischen Gatten um den Nachwuchs, sozusagen in Sache: Rippe.
Sehr gefreut haben wir uns heute, das Ingrid Feichtlbauer Günter Reder mitgebracht hat, der eben den Anfängerkurs im Treffpunkt Bridge absolviert und erstaunlich gut gespielt hat. Die beiden haben beachtliche 45,24 % für sich verbucht und wir hoffen, dass uns Günter auch in Zukunft aufsuchen wird. Mit Ingrid ist er ohnehin bereits auf dem besten Weg nach oben.
Heidi Haiden und Josefa Zauner waren etwas echauffiert als wir an ihren Tisch kamen, sie hatten eben einige unorthodoxe Lizite des Gegners zu verdauen gehabt und waren dadurch ein wenig in's Schwanken geraten. Das konnten sie dann auch nicht mehr so richtig aufholen. Heidi, äusserst zurückhaltend („Du schreibst es ja wieder“) liess es bei einer knappen Schilderung bewenden und gab dann nur noch Einwürfe, wie: „Da hast du recht“ oder ähnliches von sich. Josefa unterstützte sie dabei, zwar spitzbübisch lächelnd, in absoluter Solidarität mit kargen, gelegentlichen Sätzchen. Dabei sprechen beide ein tadelloses Deutsch und, wer einerseits die Überstiche scheut, wird zwingender Weise andererseits auch keine machen, so einfach ist das.
Lisl Eiselsberg und Fritz Schmid hatten nicht mehr allzuviel Glück am heutigen Abend, dabei starteten sie gar nicht schlecht. Vermutlich hatte Fritz sein Quantum heute schon verbraucht, denn er hatte den ganzen Tag im Internet gespielt und bereits einen Slam im Kontra erfüllt und alles kann man eben nicht haben.
Bekanntlich kann man sich auch nicht an zwei verschiedenen Orten aufhalten und so sind wir am Mittwoch, dem 29. Juni, nicht im Clublokal in Linz, Steinbühel, sondern spielen bei unseren Freunden in Bad Hall im Haller Hof das erste Turnier des gemeinsam mit den Steyrer Bridge-Freunden heuer veranstalteten Sommerbewerbs.
Wir freuen uns jedoch auf ein Wiedersehen am Samstag, dem 2. Juli, in alter Frische am gewohnten Ort.
© IAM, 25.06.2011
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