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Aktuelles Faschingsturnier 2012

Narrentreiben, fliegende Omeletten und volle Gläser  

 

Ein toller Nachmittag gestern. Sechsunddreissig Narren auf einem Haufen trieben ihr lustiges Unwesen. Vier von ihnen, mit kunstvollen Maschen ausgestattet, waren allerdings vierbeinig. Poldl, Lisa, Hugo und Hilde versuchten sich gegenseitig und die närrischen Zweibeiner zu Fall zu bringen und erwiesen sich damit als absolut bridgekonform. In die Wertung kamen sie allerdings nicht, konnten aber so manches schmackhafte Häppchen ergattern, was ihnen natürlich ungleich wichtiger war, denn vor der Auswahl lief auch ihnen das Wasser im Mäulchen zusammen.

 

Brillant eröffnete sich bereits das hors-d'oeuvre, Miesmuscheln im köstlichen Spezialsud, frisch zubereitet von Gastronomin Ingrid Feichtlbauer. Vier leckere Kilogramm verschwanden wie Neuschnee in der Sonne, denn da wurde zu Weilen schon mal öfter zugeschlagen, manchmal aber auch erstmalig („I iss zwar sonst kane Musch'ln, aber wann's alle so schmeckt, probier i's a“ war gelegentlich zu hören, und Schlürfen natürlich auch). Das dazu gehörige Knoblauch-Weißbrot hatte Ingrid extra bei ihrem Bäcker bestellt.

 

Dann kam TGK in's Spiel. Der ausgezeichnete Schweinsbraten mit Serviettenknödeln, Kartoffeln, warmem Sauerkraut, mit und ohne Speckwürferln, konkurrierte (für die Schweinefleisch-Verweigerer) mit geschmortem Rindsbraten in Balsamicosauce mit grünem Salat. Faschingskrapfen gab es anschließend und zwischendurch, wobei, gegen den sonstigen Trend, den Vanillekrapfen der Vorzug gegeben wurde. Spielte aber keine wirkliche Rolle, zum Schluss waren alle und alles weg, auch Greterls vorzüglicher Gugelhupf und ebenso folgten der Berg Mini-Schwedenbomben, Käse und Weintrauben diesem Beispiel. Richtig schön zum Zuschauen.

 

Apropos Zuschauen. Das gestern gefeierte, appetitlich als lila Tulpe verkleidete Geburtstagskind, Greterl Luibrand, brachte es auch nach dem heftigen Anstossen und Leeren der Sektgläser auf sein Wohl fertig, in der Halbzeit des Turniers seinen berühmten Omelettenteig zu fabrizieren, mit dem dann Wolfgang Roth die Pfannen füllte unter den bewundernden und anfeuernden Zurufen der Menge, die Gebilde raumschiffartig durch die Luft jagte und gekonnt wieder auffing. Greterl bestrich sie mit Marillen- bzw. Preiselbeermarmelade, rollte sie ein, Puderzucker darauf und Ruck Zuck waren über vierzig Palatschinken fertig und auch gleich wieder verzehrt.

 

Den Sieg, mit 65,24 %, erspielten schließlich Bernhard Grossegger und Michi Jagsich, so täuschend verkleidet als Michi und Bernhard, dass sie beinahe nicht zu erkennen waren. Paparazzo Michi lenkte sein Kamera-Stakkati genussvoll meuchelnd auf Esser und Spieler, gewürzt mit Bernhards flotten Sprüchen („Habts Euch selber versenkt bei uns, war des Absicht?“).

 

64,52 % brachten Traude Donabauer und Paola Schatzlmayr auf den zweiten Platz. Sie waren allerdings bei ihrem Eintreffen bereits ziemlich beeindruckend. Traude als US-Präsidentschaftskandidatin auf der Suche nach Wahlhelfern („bei mir hätt' die Lewinsky ka Karriere g'macht“) und Paola gab einen Zirkusdirektor, wie dem Roncalli entsprungen. Dass sie es fertig brachte, innerhalb einer Runde (drei Boards) an einem unerwarteten, viertelstündigen Zwangs-Schnellkurs im Claimen teilzunehmen und ihn auch noch erfolgreich zu bestehen, lässt beachtliche Steherqualitäten vermuten.

 

Den dritten Platz, mit 59,29 %, belegten „Speedy Gonzales“ Heidi Müller und die „Geheimnisvolle Schöne“, Renate Rathmair. „Jetzt hab' ich mir bei dem Sonnenschein gedacht, des wär' eigentlich kein Tag zum Bridge spielen. Aber wie i mit der Lisa hinausgeh' in die eisige Kälte, hab ich gleich wieder gewusst, es war richtig so“, meinte Heidi. „Klar“, sagte ich, „da suachn auch die pelzigen Mäus a Loch.“ Erika Kasbauer: „Na, i was's net, wann herinnen die Steffi lauert.“ Die Hundchen Hilde und Hugo hatten sich nämlich den Kater Steffi Ketzl mitgebracht.

Renate, anfangs sehr still unter der eleganten Halbmaske, sagte, von mir darauf angesprochen: „Muast mi ja net gleich erkennen.“ Das ist natürlich ein Argument.

 

Koch und Köchin landeten in bemerkenswerter Harmonie mit 56,19 % auf dem vierten Platz. Inge, ein bunthaariger Clown, hatte eine große Ähnlichkeit mit einer ihrer vorjährigen Kreationen eines ganz bezaubernden Clown-Köpfchens, mit dem sie eine Sektflasche geziert hatte. Der Unterschied zu vorigem Jahr: Der Kopf war vorhanden, aber der Versuch, aus uns Sektflaschen durch nachträglich verabreichten Inhalt zu machen, scheiterte an der Notwendigkeit, nebenbei noch einigermaßen Bridge zu spielen. Helmut, als Schmetterling diesmal ein glatter Versager, trat als rauer Wildwestler auf. Allerdings gab er zeitweise einen gewissen Anlass zur Sorge. „Helmut“, rief ich, „es war'n no Palatschinken da.“ „Na“, sagte er, „i hab' gnuag.“ „Jessas“, meinte Maria Grubhofer, „der is krank.“ War er Gott sei Dank nicht, nur in ein interessantes Gespräch vertieft.

 

Fünfte, mit 54,05 %, waren Erika Kasbauer und der Manager und Koch des gestrigen Nachmittags, Thomas Ketzl. Erika, ein einsamer oranger Pumuckl ohne Meister Eder, saß einem schwarzzotigen John Lennon mit Lederhalsband, Kreuz und runder, blauer Nickelbrille, nebst eigenem Konterfei am T-Shirt, gegenüber. Dass unglaubliche Sanftmut am Tisch herrschte, dürfte vermutlich darauf zurückzuführen sein, dass TGK mit dieser Brille nichts sehen konnte, sozusagen: Wo kein Blick, auch keine Kritik.

 

Heidi Haiden und Rosi Kohlberger, äusserst verdächtig gewandet, kamen auf 50,95 % und damit auf den sechsten Platz. Heidi, von Kopf bis Fuß in mit Bridgekarten bedrucktes Gewand und Hut gehüllt, hatte für mein Ansinnen: „Da brauchst nur die Finger auf die richtige Kart'n leg'n, dann was die Rosi, was ausspün soll“, nur ein strenges „Na“ und ein Hochziehen der Augenbraue übrig. Da war Rosi schon etwas zugänglicher. Sie trug eine kecke Schiebermütze und war rundherum mit Bridgekarten-Schmuck ausstaffiert. „Alles selber g'macht, glaubst i denk ma da nix dabei.“ So stelle ich mir eine umfassende Auskunft vor.

 

Mit 50,95 % den siebten Platz belegten Steffi und Martin Ketzl. Steffi, eine stramme Wildkatze mit imponierendem, sicher schlagkräftigem Schwanz traf mit US-Präsidenten (Mount Ruhsmore) denkmalträchtigem Gatten Martin ein, der ihr zeitweise auch wie aus Granit gemeisselt gegenüber saß. Diese ehrwürdige Ruhe verließ ihn aber dann doch einmal, als Steffi ein von ihm nicht gebilligtes Zwei-Karo-Gebot abgab. Nur ein Gag beim Faschingsturnier, da gehe ich konform mit dem Kätzchen.

 

Knapp dahinter, auf dem achten Platz landeten Riki Komar und ich. Ein übler Faschingsscherz. Bis zum drittletzten Tisch lagen wir mit einem Top nach dem anderen ganz vorne. Dann ging es los. Ab der blauen Gefahr (innen und aussen, laut Lisi) Lisi Lampl samt Partnerin bekamen wir kaum mehr einen Fuß auf den Boden und das alles gipfelte dann in Bernhards lockerer Aussage über unsere Eigenversenkung. Dabei waren wir ein so beachtliches Paar. Riki, die Domina in Rot und Schwarz und angenehm definierten Vorzügen ihrer Persönlichkeit, hatte zwar bessere optische Chancen als ein Hippie-Kind, wie ich es gab, dürfte sie aber doch nicht richtig wahrgenommen haben.

 

Wiederum mit geringen Abstand aufschließend kamen Josefa Zauner und Rudi Harasek. Josefa, der geborene Zappelgeist, hatte ihren Termin mit Rudi verschwitzt und musste erst herbeigeholt werden. Zum Glück konnte der erst leicht genesene Don Alfredo bis zu ihrem Eintreffen diesen Part wahrnehmen. Fredi im roten Arbeitsoverall, mit Mund- und Nasenschutz (wegen der Bazillenschleuder) und Feuerlöscher ausgerüstet, war auf Anhieb wirklich unkenntlich, aber wer könnte denn der rote Riese sonst schon gewesen sein. Rudi Harasek, im eleganten Dreiteiler („I hab' ka Verkleidung, hab i mir also g'sagt, gehst ganz konträr“) spielte, trotz anfänglicher, ungewisser Warterei auf seine Partnerin, sehr gut, und lobte Ingrids Muscheln ganz ausserordentlich.

 

Maria Grubhofer und Fa Beheshti waren nur einmal wirklich aufgeregt, besonders Fa, als wir erst an ihren Tisch kamen, als in

der nächsten Runde bereits das zweite Board gespielt worden war. War aber nicht unsere Schuld, dem dreimaligen Alleinspieler der vorherigen Runde fiel die Geburt so schwer. Maria, erstmals nicht maskiert, fühlte sich malade und Fa hatte ein Alibi. Er musterte mich und meinte dann: „In den Sechzigern sah ich auch so aus.“ Bei gutem Willen und ein wenig Vorstellungskraft

war er da doch ganz passabel verkleidet.

 

Lisi Lampl, Grande Dame, ganz in blau, mit Boa und Hut, erreichte mit „Page“ Uli Miller in dieser erstmaligen Partnerschaft ad hoc an die 50 %. Für diesen Auftakt hätten sie sich ruhig bis nach dem Spiel gegen uns Zeit lassen können.

 

Lisl Eiselsberg und Fritz Schmid spielten friedlich wie immer. Lisl, mit Blütenkranz umwunden, meinte lediglich dann und wann:

„Aber ich hab' doch auch Karten.“ Das ist für Fritz oft sichtlich schwer zu verdauen, es tritt immer wieder der Einzelkämpfer in ihm zu Tage. Aber anzusehen war er hochinteressant. Stand er etwas entfernt, konnte man ihn für einen (ungewohnt) riesigen schwarzschopfigen Chinesen halten, mit weißem Kaftan, rot/schwarzen Aufschlägen und einem roten und einem schwarzen Hosenbein. Kam er näher, sah man, dass er über und über mit Spielkarten bedruckt war. Besonders köstlich, die knöchelkurzen Hosenbeine.

 

Heidi Stöger und Marena Schattenberg gaben ebenfalls ein lustiges Paar ab. Heidi, ganz in Schwarz, mit gelbem Chinesenhut

und selbstverständlich unbestrumpft, schien leibhaftig aus Perl S. Bucks Buch „Die gute Erde“ entstiegen zu sein, während ihr Marena kess in Schwarz und Rot gegenübersaß. Von Marena haben wir noch eine Menge Fotos zu erwarten, da sie eifrig geknipst hat. Wir werden eine Collage anfertigen.

 

„Wer ist dieser elegante Herr in Nadelstreif und Zylinder, der ‚Pinky‘ Willi, versus Wilhelm Mayr begleitet?“ fragte man sich unwillkürlich, um erst auf den zweiten bis dritten Blick festzustellen: Dieser fesche, schlanke Kavalier ist für die Damenwelt unerreichbar, denn, er ist eine Dame, nämlich Doris Eybl. Ihre, meist lustig bestrumpften Beine konnte man so zwar nicht sehen, aber TGK entlockte sie ein bewunderndes „Die Doris is no schlanker word'n“. Nur Willi, offensichtlich farblich dazu abgestimmt, aber beinahe unkenntlich mit roter Brille und rotem Pullover, stieg in die Belobigungen seiner Partnerin nicht so richtig ein.

„Der“, sagte Doris, „is ja nur eifersüchtig, weil er sonst der umschwärmte Damenliebling ist, aber heit stü (stehle) i ihm die Show.“

 

Tulpenkind Greterl Luibrand (mit lila Perücke und grasgrünen Schucherln) war pausenlos beschäftigt und sah mit wachsendem Erstaunen zu, wie ihr schöner Gugelhupf, den sie angesichts der vielen Süssigkeiten eigentlich einfrieren wollte, immer weniger wurde, daran konnten auch die vielen Palatschinken nichts ändern. „Also wirklich“, sagte sie, als alle „Kapitän“ Wolfgang Roths Virtuosität an den Pfannen bewunderten, „i hab' den Teig g'macht und er steckt des Lob ein.“ „Grete“, sagte Wolfgang darauf, „jetzt verlass i di.“ Konnte er aber nicht, denn sie stand vor dem Ausgang.

 

Ingrid Feichtlbauer, blumengekrönte Muscheldame, und Harlekin Renate Ostheimer waren zwar ein reizendes Paar, aber nicht besonders glücklich in den Interaktionen, was bei der arbeitsmässigen Auslastung von Ingrid auch nicht weiters verwunderlich war. „Ist ja Fasching“, lachte Renate „und lustig war's. Hat mi g'freut“ und wackelte mit dem gelben Mascherl auf ihrem Kopf, aber dass sie sich gestern nach einiger Zeit sogar freiwillig von ihrem Pullover trennte, erschütterte uns alle zutiefst, hatten wir doch nicht einmal dreissig Grad in den Räumen.

 

Trotzdem war es ein heisser Nachmittag, und er endete erst gegen 20 Uhr mit einem kräftigen: Helau, schöne Masken!    

Die Bilder...

© IAM, 12.02.2012